Tilly vs Spock Spezial – Folge 03 – Star Trek: Picard Staffel 1

Da ist sie nun, die erste Staffel PICARD ist fertig ausgestrahlt und wir ziehen Bilanz. Dies ist mehr ein Abbild unserer Befindlichkeiten, als ein In-Depth-Look in jede einzelne Folge, aber nach dem Staffelfinale hatten wir dringenden Redebedarf.

Am Anfang sprechen wir ein bisschen über dies und das; einige kleinere Neuigkeiten gibt es ja zu besprechen, trotz Virus-Krise.

Bevor wir viel Spaß wünschen, geben wir ausdrücklich eine Spoiler-Warnung, denn wir reden einfach über ALLES, was in der ersten Staffel passiert – ohne Punkt und Komma. Viel Spaß!

4 Gedanken zu „Tilly vs Spock Spezial – Folge 03 – Star Trek: Picard Staffel 1“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Ich war unmittelbar nach dem Ansehen von “Et in Arcadia Ego, Part I” zu 100% eurer Meinung. Ich hatte mir aber zwischenzeitlich einen Teil des Live-Streams aus dem Discovery Panel angehört und bin mir jetzt nicht mehr sicher.

    Der Dialog über das neuronale Klonen in der Pilotfolge lautet:
    Jurati: “His [Maddox] Theorie was that Datas entire code, even his memories, could be reconstituted from a single positronic neuron. If there is a synth who is perfect, like you say – ”
    Picard: “Then Data, or some part of him, an essence of him…”
    Jurati: “Essence, yes.”
    Picard: “…would be alive.”

    Maddox hatte also irgendwann Erfolg bei der Konstruktion eines positronischen Gehirns und daraus entstanden die Synths. Weil jeder perfekte Synth wie Dahj und Soji Datas Essenz enthält, ist er noch am Leben. Ich sehe aber noch nicht die Verbindung zwischen Data und den Synths, weil die ja schon was anderes sind. Die Lücken sind mir zu groß und es wird zu viel erzählt, anstatt es zu zeigen!

    Ich weiß noch nicht, wie ich das Alles finde. Mit Datas Tod hatte ich außerdem schon nach “Nemesis” abgeschlossen. Diese “Auflösung” erinnert mich an “Rogue One”, wo nach 39 Jahren krampfhaft erklärt werden musste, wieso der erste Todesstern einen Reaktorschacht hatte, mit dem die Rebellen ihn zerstören konnten.

    Picards Aufgabe besteht jetzt darin, bei der Sternenflotte eine offizielle Trauerfeier und ein Grab für Data zu fordern. Genau diese Feier und das Grab möchte ich in der 2. Staffel sehen und zwar möglichst am Anfang! In “Nemesis” rettete Data nämlich die Erde, opferte dafür sein Leben und das wurde von offizieller Seite bisher in keinster Weise anerkannt oder gewürdigt.

    Manche Kritikpunkte bleiben auf jeden Fall erhalten. Ich glaube Oh einfach nicht, dass sie die Synths zerstören wollte, weil sie dafür mehr als genug Gelegenheiten hatte. Wie lange braucht ein Warbird denn zum Hochladen seiner Waffen? In der Folge hatte ich das Gefühl, man kann das Hochladen der Waffen starten und dann erstmal bequem eine Kaffeepause machen, weil das ja eine Weile dauert, es ist schließlich ein Kriegsschiff und da geht eben nicht alles von Jetzt auf Gleich. Ein Rammangriff auf Coppelius Station mit Warpgeschwindigkeit wäre auch möglich gewesen und dafür hätten sie keine Schiffswaffen gebraucht, weil sie ihr Schiff selbst als Waffe gedient hätte.

    Die Handlung auf dem Planeten war extrem konstruiert: Picard wird eingesperrt, aber Jurati kann ihn mal eben befreien. A.I. Soong (“A.I.” hihi, habt ihr’s kapiert? Hmm?) findet genau zum richtigen Zeitpunkt heraus, dass Sutra eine Verräterin ist. Die La Sirena wird mit einer Wundermaschine aus dem Land, in dem Wünsche wahr werden, repariert und dieses Gerät kann man sogar im Kampf gegen die Romulaner einsetzen. Praktisch, oder?

    Jean-Luc ist die ganze Staffel über fit wie ein Turnschuh! Er wird in der Pilotfolge durch eine riesige Explosion meterweit durch die Luft geschleudert und bleibt unverletzt. Er läuft auf der Erde und auf Coppelius ohne Sonnenschutz durch die Wüste. Er überlebt einen Angriff auf sein Chateau ohne Verletzungen, obwohl er selbst gegen die Elitesoldaten des Zhat Vash kämpft. Er rennt auf der Flucht vor den Romulanern durch den Kubus. Er fliegt im Finale die La Sirena, obwohl er so etwas schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hat. OK, es kann durchaus sein, dass so eine Krankheit sehr schnell akut wird. Aber dass Picard selbst in solchen stressigen und sogar lebensbedrohlichen Situationen ruhig und gelassen bleibt, keine Schmerzen oder sonstige Symptome hat und am Ende zehn Minuten vor Schluss plötzlich stirbt, ist extrem bescheuert und konstruiert. Das nehme ich den AutorInnen nicht ab!

    Wieso musste der 95jährige Picard nochmal das gesamte Universum retten? Ne kleinere Story hätte wohl nicht genügt, oder? Das ist der selbe Scheiß wie bei DISCO, wo es immer gleich um alles gehen muss und am Ende die Hälfte der Story auf der Strecke bleibt.

    LG
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      ja, du hast recht, es muss nicht immer um Superlative gehen, das ganze Universum.
      Eine Frage habe ich aber mal an dich: was erwartest du von der 2. Staffel? Worauf, wenn denn, würdest du dich freuen?

      Ich habe das noch eingehend mit Anja besprochen und für meinen Teil habe ich keine Ahnung. Die Art und Weise macht den Eindruck, als sei alles abgeschlossen, was an Themen in Season 1 aufkamen, dabei sind viele Fragen unbeantwortet. Insbesondere im Final-Zweiteiler. Einiges, besonders der Tod Picards, wurde überhaupt nicht weiter abgehandelt, teils auch aus Zeitgründen. Da kann man nur hoffen, die arbeiten dies weiter auf.
      Aktuell sieht es bei mir so aus: die “neue” Crew ist nun bereit ins All, ins Unbekannte aufzubrechen, für neue Abenteuer. Kann ich mir nicht ganz vorstellen, dass man zum Alltag übergeht, nachdem das Ende allen Seins auf dem Spiel stand. Wir haben eine Crew, bestehend aus mehreren Mördern/Gewalttätern, Ex-Sternenflottlern und einem profillosen Elf, die zusammen einen Golem-Untoten-Picard umringen. Was soll ich mit diesem Haufen anfangen? Ich für meinen Teil muss zumindest gegenwärtig sagen, ich erwarte nichts von einer 2. Staffel. Ich schlucke noch am Tod Picards und dem Zunichtemachen durch diese schaurige Kopie – schlechter kann man keine Story ausarbeiten! Vielleicht kann ich mit etwas Abstand besser damit umgehen – rein vom Gefühl scheint mir die Serie abgeschlossen!
      Da freue ich mich eher auf die 3. Staffel Discovery, auch wenn die sich ziemlich bewähren muss, nach all dem Zeug, das bisher präsentiert wurde. Zumindest sehe ich da genug Potenzial, dass die hoffentlich nicht gleich wieder komplett aus dem Fenster schmeißen. Da ist die Fallhöhe wieder recht hoch.

      Naja, time will tell.

      LG
      Chris

      PS: Habe eben diese Meldung gelesen .
      Da kann ich nur hoffen, dass die diesen Worten, es möge Konsequenzen haben, auch Taten folgen lassen. Es ist Star Trek, also bleibe ich, wenn auch extrem vorsichtig, optimistisch.

      1. Hi Chris,

        ich schwanke bei “NEW TREK” zwischen Desinteresse und Traurigkeit. Es gibt eben drei Filme, die reines Popcorn-Kino sind und zwei Serien mit ingesamt drei Staffeln, die mich enttäuscht zurückließen. Ich finde den Zustand von STAR TREK im Moment ganz, ganz furchtbar und das wird wohl auch so bleiben, weil bei den Verantwortlichen keine Bereitschaft besteht, daran etwas zu ändern. Was ich mir wünsche ist eine positive Zukunftsvision mit guten Geschichten und Charakteren, mit denen ich mich identifizieren kann. Die Autoren glauben anscheinend, dass sie uns das auch gegeben haben, aber die Qualität bewegt sich was die Drehbücher angeht leider auf einem sehr niedrigen Niveau.

        Die von dir angesprochene Abgeschlossenheit beobachte ich auch in DISCOVERY. Im Finale der 1. Staffel wurden ja fast alle Handlungsstränge abgeschlossen: Die Crew ist mit ihrem Schiff, aber ohne den bösen Lorca aus dem Spiegeluniversum heimgekehrt, der Krieg gegen die Klingonen ist beendet, Michael Burnham wurde nicht nur rehabilitiert, sondern hat auch ihren Rang als Commander zurückbekommen und ihr Ex-Freund Ash hat sich L’Rell angeschlossen. Der Sporenantrieb soll eingemottet werden, weil es kein passendes Steuerungssystem gibt (in der 2. Staffel vergisst man das natürlich). Nach dem Finale war nur klar, dass die Crew jetzt in irgendeiner Form mit der Enterprise zusammenarbeiten einen neuen Captain bekommen wird. Damals gab es auch keine genauen Hinweise darauf, wie die Serie weitergehen könnte. Klar, nach Sareks Auftritt lag das Auftauchen von Spock und eine Familiengeschichte mit Michael nahe. Abgesehen von diesen kleinen “Brotkrumen” konnte man über die Story der nächsten Staffel aber nur spekulieren. Im Finale der 2. Staffel läuft es genauso ab und die Story der 3. Staffel ist wieder offen. Bei PICARD ist es dasselbe, in Staffel 2 kann buchstäblich alles passieren. Positiv ausgedrückt erhöht das natürlich die Spannung, aber auf mich wirkt es sehr unstet und beliebig. Die AutorInnen gehen mit ihren Geschichten mal in die eine und mal in eine ganz andere Richtung. Die Konstante dabei ist, dass die Charaktere von einer Extremsituation in die nächste geworfen werden, jedes Mal um ihr Leben kämpfen und das Universum vor einer neuen, existentiellen Bedrohung bewahren müssen. Dabei werden die vorherigen Entwicklungen nur allzu oft über den Haufen geworfen oder ganz außer Acht gelassen.

        Ein entscheidender Punkt ist: Es gibt keinen Alltag mehr! Die Charaktere haben keine geregelten Tagesabläufe und keine alltäglichen Arbeiten und Erlebnisse. Durch die mit fanatischem Eifer ausgelebte Fixierung auf das große Abenteuer inklusive der “Verteidigung der Föderationswerte” und der “Rettung des Multi-/Uni/-wie-auch-immer-versums” bleibt leider kein Platz für kleine Storys, in denen man sich abends zum Pokerspielen trifft oder ein junger, aufstrebender Wissenschaftler sein erstes, eigenes Projekt betreuen darf. Ja, es gibt an Bord der Discovery eine Party, aber die findet unpassenderweise kurz nach dem Ausbruch eines apokalyptischen Krieges gegen die Klingonen statt, in der die Charaktere eigentlich andere Dinge tun sollten als zu feiern! Ich möchte UNBEDINGT in einer neuen STAR TREK-Serie das Gefühl haben, dass dort Personen über einen längeren Zeitraum an Bord eines Raumschiffes, einer Raumstation oder auf einem Planeten zusammenleben und -arbeiten, sich kennenlernen, Zeit miteinander verbringen, etwas über sich selbst lernen und die normalen “Ups and Downs” des Lebens bewältigen. Über eine oder mehrere Staffeln findet dann eine allmähliche Entwicklung der Story und der Charaktere statt. Selbst TOS, in der beinahe alle Episoden abgeschlossen sind, vermittelt mir dieses Gefühl. TNG und DS9 machen es wie ich finde am besten und auch bei VOY und ENT kam dieser Eindruck auf.

        Bei den neuen Serien haben sich die AutorInnen von dieser Erzählweise abgewendet, zumindest kommt es für mich so rüber. DISCOVERY und PICARD wirken gehetzt und getrieben, die Charaktere haben keine Zeit, zur Ruhe zu kommen. Das springt auf mich über und erzeugt ein Gefühl der Rastlosigkeit. Das zeigt sich auch im ständigen Überlegen, Spekulieren und Mutmaßen über den weiteren Verlauf. “Was wird wohl als nächstes geschehen?”, “Was hat das kleine Detail in der Szene xyz zu bedeuten?”, “Wird Dieses und Jenes aufgelöst?”. Ganz ehrlich: Darauf habe ich keine Lust mehr! Ich möchte einfach nur in einer Serie ankommen, mich dort wohl fühlen und unterhalten werden. Ob eine Anthology oder Story Arcs erzählt werden, ist mir relativ egal, solange ich der Handlung folgen kann und die Charaktere gut ausgearbeitet werden. Diskussionen über ethisch/moralische Probleme oder gefährliche Abenteuer sind gar nicht nötig. Bei DISCOVERY wünschte ich mir schon in Staffel 1 eine Folge, in der die Leute einfach nur zusammensitzen und über ihre Probleme sprechen, denn davon haben sie beileibe genug. Bei PICARD gibt es Ansätze dafür, aber es blieb bisher leider bei den Ansätzen.

        Außerdem bin ich überzeugt, dass eine faire, kritische Auseinandersetzung mit den dargebotenen Geschichten die Eindimensionalität des “NEW TREK” offenbart: Die Filme in der Kelvin-Timeline sind reine Actionspektakel, in denen jeweils ein anderer, platter Bösewicht seine Rachepläne ausführen möchte. In zwei Staffeln DISCO und einer Staffel PICARD wurde drei Mal das Universum gerettet, wobei die Gefahr zwei Mal von übermächtigen, alles zerstörenden künstlichen Lebensformen ausging. Das Spiegeluniversum und Zeitreisen wurden über Gebühr beansprucht und für längere Zeit verbraten. In beiden Serien gibt es Dinge, die schon immer existierten, im ganzen Universum vorhanden sind, noch nie zuvor erwähnt wurden, aber urplötzlich von essentieller Bedeutung sind. In DISCOVERY ist es das Myzel-Netzwerk, in PICARD ist es der Zhat Vash. Diese Wiederholungen und Muster sind deutlich. Meiner Meinung nach zeugen sie nicht von Kreativität.

        Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich STAR TREK irgendwann wieder anders entwickelt, aber darauf warte ich nun schon seit 2009 und wurde schon einige Male enttäuscht. Das klingt leider sehr negativ, aber so ist nun mal meine gegenwärtige Stimmung.

        LL&P
        2Voq

        1. Hi 2Voq,

          ich stimme dir in vielem zu! Ganz besonders den Aspekt mit dem Alltag möchte ich hervorheben: ich habe ganz am Anfang von PICARD die ruhige, fast schon behäbige Inszenierung gemocht, weil ich dachte, dass hier ganz behutsam ein Charakter aufgearbeitet wird, der lange nicht zu sehen war. Wie ein guter Wein, ließ man ihm Raum zum atmen. Leider dann etwas gehaltlos und voller Erklärbär-Ansätzen, aber allgemein fand ich diese Art des langsamen Einstiegs begrüßenswert. Es muss, wie du schon sagst, nicht immer um ALLES gehen, es reichen kleine Schicksale, einzelne Personen. Star Trek kann sowas richtig gut, selbst mit Eintagsfliegen a la Marritza!
          Ich mag eigentlich gar nicht sagen, dass ich meine Hoffnungen in Formate wie “Lower Decks” setze, wo per se die einfachen, kleinen Leute zu Wort kommen. Ich will diese Art des Normalen im realen Trek sehen. Ich bin der Meinung, die Story entwickelt sich erst im Nachhinein, erstmal stehen vollwertige, ausgearbeitete Figuren da. Wenn die gut gemacht sind, kann man Situationen erzeugen, in die diese Figuren geworfen werden und dann sehen wir, wie sie darauf reagieren. Man bekommt immer mehr den Eindruck, es gibt coole Ideen, die Figuren müssen da mehr oder minder reingepresst werden und am Ende hat man sowas die DISCO oder PIC. Das all-or-nothing-Prinzip.
          Zu alten Werten zurückzugehen heißt ja nicht, altbacken zu inszenieren. Naja, vielleicht kommt da einer bei CBS oder in Kurtzmans Team selbst mal drauf.

          So long…
          LG
          Chris

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