Folge 191 – TNG – Ort der Finsternis

Bevor wir heute Lwaxana Troi aus TNG verabschieden müssen, zeigt sie uns ihre düsterste Seite, eine die sie immer vor sich und ihrer Tochter verbergen wollte. Wir tauchen ein in ihren Verstand mitten in den Enterprise-Korridoren, wo ein falscher Jean-Luc und ein Wolf für Sicherheit sorgen. Außerdem laufen da noch Deannas Papa und Kirsten Dunst herum. Ja richtig, bevor sie so richtig berühmt wurde, spielte sie als junges Mädchen hier mit und hat den ganzen Stein ins Rollen gebracht. Einen Stein, den man bis in die Picard-Folge „Nepenthe“ rollen hört.

Hört jetzt erstmal uns zu, wie wir die „Dark Page“ aufschlagen. Viel Spaß!

2 Gedanken zu „Folge 191 – TNG – Ort der Finsternis“

  1. Hi Anja, Hi Chris! 😉

    Ich gönne Bill Shatner seinen Raumflug, aber wie ihr schon sagt, ist es eine riesige Werbeaktion von Jeff Bezos. Ich sehe Bezos als Person und Geschäftsmann mittlerweile aus mehreren Gründen sehr kritisch und der Weltraumtourismus, den er mit Blue Origin betreibt, gehört dazu.

    So, jetzt aber zu „Dark Page“!

    Anja, ich denke, sehr viele Menschen würden sich in Gegenwart einer telepathischen Person unwohl fühlen. Dazu muss man nichts „verbergen“ wollen. Eine Privatsphäre reicht schon! Ich möchte z. B. nicht ohne meine Zustimmung telepathisch durchleuchtet werden, während ich am Geldautomaten meine PIN eintippe oder eine Notlüge erfinde, um einen nervtötenden Nachbarn abzuwimmeln.
    Lorerunner merkt in seinem Review
    https://www.youtube.com/watch?v=YD2Up7o_YmI

    an, dass die Cairn scheinbar selbstverständlich, wie wir Menschen, Körpersprache benutzen, obwohl das nicht der Fall sein dürfte. Diesen Einwand finde ich legitim, denn wenn die Personen dieses Volkes vollständig telepathisch kommunizieren und durch gegenseitiges sich-ins-Gesicht-starren in Sekundenbruchteilen den Inhalt der 32-bändigen Brockhaus-Enzyklopädie übermitteln können (so wie Maques, als er Deanna die Bilder aus Lwaxanas Geist übermittelt), brauchen sie eigentlich keine Körpersprache.

    Im ersten Dialog zwischen Deanna und Lwaxana im Korridor sagt Deanna:
    „Nothing is going to happen to me.“

    Woher weiß Deanna das so genau? Sie ist Offizierin der Sternenflotte und dient an Bord der Enterprise! Sie befand sich in den letzten sieben Jahren schon in vielen lebensgefährlichen Situationen. Dabei denke ich z. B. an „The Best of Both Worlds“ und an „The Face of the Enemy“. Ja, Deanna ist ein Hauptcharakter, aber logisch betrachtet hätte sie hopsgehen können, so wie die 18 Crewmen in „Q Who“ oder die drei Crewmen, die von ansatanischen Terroristen getötet wurden („The High Ground“) oder die acht Crewmen, die im Feuersturm auf Bersallis III starben („Lessons“) oder, oder, oder.
    Ich finde „Dark Page“ nicht ganz so emotional wie einige andere Episoden (z. B. in DS9), aber es ist zweifellos eine sehr emotionale Charakterepisode. Wie einen die Emotionalität einer Folge mitnimmt oder eben nicht mitnimmt, ist individuell. Mitgenommen hat sie mich auf jeden Fall und in der Reihe der starken, emotionalen Star Trek-Episoden hat sie definitiv ihren Platz. Umso mehr finde ich es schade, dass die nächste Folge schon wieder eine ganz andere Geschichte erzählt und Kestra in den nächsten 29 Jahren (!!!) nicht erwähnt wird. Solche fehlenden Konsequenzen gibt es leider auch bei anderen Star Trek-Serien, darum lasse ich gegenüber TNG Milde walten.

    Chris, du hast recht, dass sich PICARD desselben Story-Elementes bedient wie „Dark Page“: In einer Familie leben es zwei Kinder. Eines der Kinder stirbt, das andere überlebt. Schade ist auch, dass es immer mit dem Tod eines Kindes zu tun hat. Das ermöglicht zwar emotionale Geschichten über Leid und Trauer, aber das sollte nicht die einzige Art von Geschichten sein.

    Bei eurer Besprechung zu „Second Chances“ sagtet ihr, Thomas Riker müsste ein Trauma haben, weil er acht Jahre allein auf der Station zubrachte. Geordi müsste nach „Interface“ auch ein Trauma haben, weil er gezwungen war, den Tod seiner Mutter zu akzeptieren. Deanna müsste nach „Dark Page“ noch lange an Kestras Tod zu knabbern haben! „Dark Page“ konzentriert sich stark auf Lwaxana und IHR Trauma. Für Deanna dürfte die Geschichte aber nicht weniger schlimm sein. Deanna hätte bei einer ihrer gefährlichen Missionen ums Leben kommen können, ohne sich darüber bewusst zu sein, eine ältere Schwester gehabt zu haben! Die Tatsache, dass sie ihrer eigenen Tochter 17 Jahre später diesen Namen gibt und wir das fast 30 Jahre später (von heute an) erfahren, ist vieeel zu wenig! Selbst im 9. und 10. Kinofilm, wo Deanna und Bill zuerst heftigst miteinander turteln und schließlich heiraten, findet Kestra keine Erwähnung, obwohl die beiden dort schon längst den Wunsch haben müssen, Kinder zu bekommen.

    Es gibt noch einen Star Trek-Charakter, der einen Tagebucheintrag anlegt, um sich die Probleme von der Seele zur reden und ihn danach sofort löscht! 😁

    Die Traumabewältigung und Trauerarbeit, die Deanna mit Lwaxana durchführt, hätte ich sehr gern schon öfter gesehen! Gelegenheiten dafür gab es genug, z. B. bei Jeremy Aster, der seine Mutter Marla bei einer Außenmission verlor („The Bonding“) und der danach ALLEIN IM DUNKLEN QUARTIER saß oder bei Alexander Rozhenko, dessen Mutter K‘Ehleyr IN IHREM QUARTIER BRUTAL ERMORDET wurde („Reunion“). Mit dieser Aussage renne ich bei euch bestimmt offene Türen ein.

    Ich finde „Dark Page“ hervorragend gespielt. Das Drama ist sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Außerdem ist sie emotional, aber nicht übertrieben. Schade finde ich v. a., dass Deannas Seite eigentlich gar nicht beleuchtet wird. Es geht bis kurz vor Schluss um die Lösung des Rätsels, aber was macht die Auflösung mit Deanna? Wie geht SIE mit Kestras Tod und der Tatsache, dass sie bis vor wenigen Minuten nichts von ihr wusste, in der Folgezeit um?

    Weil ich heutzutage vieles kritischer bewerte, hatte Ich vor dem Rewatch letzte Woche damit gerechnet, auch „Dark Page“ kritischer zu bewerten, aber ich finde sie nach 25 Jahren noch toll. Sie besteht also den „test of time“ mit wehenden Fahnen! Es ist eine tolle Episode mit Abzügen in der B-Note, deshalb kriegt sie 8 von 10 Seen auf Betazed.

    Außerdem ist „Dark Page“ ein weiterer Beweis dafür, dass gute Star Trek-Folgen keine Action, keine teure CGI, keine aufwändigen Kostüme und Kulissen o. ä. Schnickschnack brauchen! Ich werde nicht müde, diese Tatsache immer und immer wieder zu erwähnen.

    Abschließend möchte ich darauf aufmerksam machen, dass TNG gegen Ende eine meiner Meinung nach sehr merkwürdige Richtung einschlägt:

    6.24: „Second Chances / Riker : 2 = ?“:
    Wir erfahren, dass Riker im Jahr 2361, also drei Jahre vor der Farpoint-Mission, bei einem Beamvorgang dupliziert wurde und sein „Klon“ seitdem auf einem ansonsten unbewohnten Planeten sein Dasein fristete. All das wurde zuvor noch nie erwähnt und hat keinen Einfluss auf TNG oder die TNG-Kinofilme.

    7.3: „Interface / Das Interface“:
    Wir erfahren, dass Geordi La Forges Mutter Silva La Forge Captain der Sternenflotte ist und ein Raumschiff kommandiert, was zuvor noch nie erwähnt wurde. Sie spielt in TNG oder den TNG-Kinofilmen keine Rolle mehr.

    7.7: „Dark Page / Ort der Finsternis“:
    Wir erfahren, dass Deanna eine ältere Schwester namens Kestra hatte, die zuvor noch nie erwähnt wurde. Kestra spielt in TNG oder den TNG-Kinofilmen keine Rolle mehr.

    Was kommt als Nächstes? Ist Q etwa Beverlys Onkel? Wurde Jean-Luc als Baby von der Familie Picard adoptiert? Hat Tasha ihren Tod vorgetäuscht, um als Geheimdienstoffizierin in einer verdeckten Mission das klingonische Reich zu infiltrieren? Ist Bill immer noch in der Traumwelt aus „Future Imperfect“ gefangen und alle seitdem stattgefundenen Ereignisse spielten sich nur in seiner Fantasie ab?

    Zum Thema „Wolf“:
    Die Sorgen von Bäuerinnen Bauern, Tierzüchterinnen und Tierzüchtern, deren Nutztiere von Wölfen gerissen werden, müssen ernst genommen und beachtet werden. Wenn ich in meiner wirtschaftlichen Existenz bedroht wäre, würde ich auch demonstrieren und meinem Ärger Luft machen. Deswegen ist die Reaktion dieser Menschen verständlich.

    Andererseits führen Wölfe im Gegensatz zu uns Menschen keine Kriege, sie betreiben keinen Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus, sie verschmutzen nicht die Umwelt, sie lösen keinen Klimawandel aus, sie können sich nicht selbst auslöschen und halten sich nicht für die „Krone der Schöpfung“.

    Kurzum: WIR tragen die Verantwortung für die Lösung der (oft von uns selbst verursachten) Probleme auf der Erde und nicht Wölfe.

    LL&P 🖖 👋
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Da kann ich es kurz machen: ich stimme dir hundertprozentig zu! Ob deine Kritik an Jeff Bezos, dem ich auch nicht auf den Pelz gucken könnte, aber v. a. auch die Sache mit den Wölfen. Ist ja leider auch das Thema des 21. Jahrhunderts: Verantwortung. Der Mensch muss, wie kaum je zuvor in der Geschichte, endlich Verantwortung übernehmen lernen. Sei es in Bezug auf den Klimawandel, Umgang mit Tier und Natur im Allgemeinen, Müllausbreitung, gerade in Bezug auf (Mikro-)Plastik und nicht zuletzt für uns selbst. Kriege, Massenpanik, Terror, Krankheiten…
      Es ist spät, aber ich wollte unbedingt noch Bezug darauf nehmen.
      Ich wünsche eine gute Nacht.

      LG
      Chris

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