Folge 184 – TNG – Gefangen in einem temporären Fragment

Manchmal ist nicht alles so wie es scheint. Das muss auch Picard mit seinen Kollegen Data, Troi und Geordi feststellen, als sie von einer Konferenz zurückkehren und nicht mehr so ist, wie es war. Picards Hand wird älter, kreative Arbeit mit Warpantrieben und Schwarzloch-Aliens sind nur einige der Dinge, die uns heute Rätsel aufgeben.

Hauptsache, jemand kann Beverly retten. Viel Spaß!

5 Gedanken zu „Folge 184 – TNG – Gefangen in einem temporären Fragment“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Ich glaube, dass man ein Shuttle, dass im interstellaren Raum unterwegs ist und keinen Notruf aussendet, nur sehr schwer aufspüren kann. Der Grund dafür sind einfach die unfassbar riesigen Entfernungen im All. In der ganzen Episode sieht man keinen Stern, keinen Planeten und keine sonstigen Himmelskörper. D. h.: der Runabout, die Enterprise und der Warbird sind im interstellaren Raum unterwegs. Da ist eine Menge Platz! Um das zu verdeutlichen, habe ich mir ein kleines Rechenbeispiel ausgedacht.

    Zunächst die astronomischen Fakten:
    Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt v_c = 299.792 Kilometer / Sekunde.
    Ein Jahr ohne Schalttag hat (3.600 Sekunden / Stunde * 24 Stunden / Tag * 365 Tage / Jahr) Sekunden = 31.536.000 Sekunden.
    Daraus folgt die Länge eines Lichtjahres (LJ): 1 LJ = v_c * 31.536.000 Sekunden = 9.454.240.512.000 Kilometer.

    Die Entfernung zwischen der Sonne und der Erde wird als „Astronomische Einheit“ (AE) bezeichnet und beträgt 149.597.871 Kilometer.

    Der Planetoid 90377 Sedna umkreist die Sonne auf einer hochgradig elliptischen Umlaufbahn. Seine Entfernung zur Sonne schwankt deshalb zwischen 76 AE und 900 AE. Damit ist Sedna eines der am weitesten von der Sonne entfernten Objekte unseres Sonnensystems. Seine aktuelle Entfernung liegt bei ca. 85,2 AE = 12.745.738.609 Kilometer.

    Der nächstgelegene Stern ist Proxima Centauri, seine Entfernung zur Sonne beträgt 4,247 LJ und damit 40.152.159.454.464 Kilometer.

    Soweit alles klar? 😉

    Jetzt kommt mein (sehr vereinfachtes) Gedankenexperiment:
    Wir befinden uns im Erdorbit, wo zwei Sternenflottenraumschiffe parken. Das erste heißt USS Pasteur, das zweite heißt USS Lilienthal. Die Captains beider Schiffe erhalten denselben Befehl: Sie sollen einen Kurs setzen und zeitgleich losfliegen. Die Pasteur fliegt in einer geraden Linie nach Proxima Centauri. Die Lilienthal hingegen legt einen Kurs an, der vom Kurs der Pasteur um 0,1° abweicht. Nehmen wir an, die Raumschiffe bewegen sich in einer Ebene. Dann kann man ihren jeweiligen Kurs und ihre Position mit einer (wieder sehr einfachen) Skizze darstellen:

    P———-L
    | /
    | /
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    | /
    | /
    | /
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    | /
    | /
    |/
    E

    „E“ steht für die Erde. „P“ bezeichnet die Pasteur, die den Stern Proxima Centauri erreicht hat. „L“ steht für die Lilienthal, die sich wegen der Abweichung von 0,1° auf einer anderen Position befindet. Stellt euch mal die Abweichung von 0,1° im Kurs zweier Raumschiffe vor! Ich behaupte, man kann das in einer Serie noch nicht mal richtig darstellen, so dass es erkennbar ist.

    Die Pasteur kommt durch ihren Kurs also bei Proxima Centauri an. Wo befindet sich die Lilienthal, wenn sie ihren Kurs beibehält? Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass sich beide Schiffe „auf derselben Höhe“ befinden, so wie in meiner Skizze. Dann können wir die Entfernung zwischen beiden Schiffen mithilfe der trigonometrischen Funktionen berechnen. Dabei kommt man für die Länge der Strecke PL auf 70.078.702.848 Kilometer (nachrechnen dürft ihr selbst), was ungefähr 469 AE entspricht. Die USS Pasteur und die USS Lilienthal haben verschiedene Kurse eingeschlagen und sind aufgrund der Abweichung von nur einem Zehntel Grad 469 Mal so weit voneinander entfernt wie die Erde von der Sonne!! Sie sind mehr als fünfmal so weit voneinander entfernt wie Sedna von der Sonne!! 😱😱😱

    Laut dem „Deep Space Nine Technical Manual“ ist ein Runabout der Danube-Klasse 23 Meter lang. Versteht ihr, worauf ich hinauswill? Ein Shuttle im interstellaren Raum ist eine mikroskopisch kleine Nadel in einem riesigen Heuhaufen, der sich seinerseits in einem noch größeren Heuhaufen befindet, der sich wiederum in einem noch größeren Heuhaufen befindet! Man könnte es höchstens durch sein Warpfeld aufspüren. Wenn die Crew eines anderen Raumschiffes aber nicht weiß, dass Picard, Troi, Data und La Forge an Bord ihres Runabouts ein Problem haben, dürfte es nahezu unmöglich sein, sie aufzuspüren. Würde eine andere Crew das 47-tägige im Kreis fliegen des Runabouts überhaupt bemerken, wenn sie sich in einem ganz anderen Zeitrahmen aufhält? Außerdem fliegen andere Schiffe mit Warpgeschwindigkeit in Entfernungen von hunderten AE durch diese Region des Alls. Wie lange könnten ihre Sensoren den Runabout erfassen, bevor sie wieder außer Sensorreichweite fliegen? Für 2,7 Nanosekunden? Wie soll eine Crew in so kurzer Zeit ein 23 Meter langes Shuttles finden und dann richtig reagieren, ohne überhaupt zu wissen, was Sache ist?

    LL&P
    2Voq

    P.S.: Ich werde euch heute oder morgen einen weiteren Kommentar zu einigen anderen Aspekten der Folge und eurer Besprechung schreiben.

      1. Hi 2Voq,

        keine Sorge wegen der Grafik, in der Mail, die ich immer kriege, wenn Kommentare gepostet werden, ist alles korrekt dargestellt, so dass wir es gut verstehen konnten 😉
        Danke für die erhellende Einsicht.

        LG
        Chris

  2. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Ungewöhnlich ist, dass an Bord eines Shuttles so viel Handlung stattfindet. In einem winzigen Type 6-Shuttle wäre das unmöglich, daher der große Runabout (Danube-Klasse). Wieso hat der Runabout eigentlich keinen Namen?

    Nach „Time Squared“ und „Cause and Effect“ sehen wir hier die nächste Zerstörung der Enterprise. Nach „All Good Things…“ könnt ihr mal aufzählen, wie oft die Enterprise in den sieben Staffeln kaputt ging!

    Eine der einprägsamsten Szenen ist die, in der Jean-Luc den Smiley in die Warpkernbruch-Wolke malt und darüber lacht. Bei meiner Erstsichtung hatte ich ihm so einen Scherz wirklich zugetraut! Eure Diskussion erinnerte mich außerdem an den ersten Batman-Film von 1989 mit Michael Keaton und Jack Nicholson. Dort bringt der Joker so schöne Zitate wie „Hast du noch nie was von der heilenden Kraft des Lachens gehört?“ Am Ende stirbt er und sagt in den letzten Sekunden vor seinem Tod: „Wenn du schon gehen musst, dann wenigstens mit einem Lächeln!“. Ein weiteres, sehr gutes Zitat des Nicholson-Jokers werde ich bei eurer Besprechung zu einer DS9-Episode erwähnen.
    Ich habe mal ein bisschen mit Inkscape rumgespielt das entsprechende Standbild aus „Timescape“ mit einer passenden Bildunterschrift versehen:
    https://i.postimg.cc/Wb7f4Psp/Smile-and.png

    Der explodierende Warpantrieb erinnert mich darüber hinaus an die Aufnahmen von Atomtests, die mit einer Rapatronic- Hochgeschwindigkeitskamera gemacht wurden. Ihre Belichtungszeit beträgt 10 Nanosekunden, also 1 Milliardste Sekunde. Diese Fotos habt ihr bestimmt schon mal gesehen, ich finde sie gruselig und faszinierend zugleich:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rapatronic-Kamera#/media/Datei:Tumbler_Snapper_rope_tricks.jpg

    Verschiedene Zeitrahmen und Geräte, die davor schützen, sehen wir auch in VOY.

    Was hatte das Wesen, welches sich als Romulanerin tarnte, eigentlich vor? Der Romulaner in der Krankenstation schoss auf sie und traf versehentlich Beverly. Danach hält die Fremde Data davon ab, den Energietransfer zu unterbrechen. Was war ihr Ziel? Wahrscheinlich wollte sie ihre Jungen retten. Warum hat sie sich nicht offenbart? Diese Fragen bleiben offen, aber für mich stellt das keinen Nachteil dar. Es bleibt eben rätselhaft und das ist manchmal gut.

    Bei der Abschlussszene mit Data und Riker frage ich mich, wieso der Erste Offizier Riker das Quartier des Zweiten Offiziers Data betritt, nur um ihm ein PADD zu überreichen und ihn an den Beginn seiner Schicht zu erinnern. Macht er das bei jeder seiner Offizierinnen und jedem seiner Offiziere so? Machen Data, Worf, Dr. Crusher, La Forge, Troi und Picard das genauso? Hätte Riker den neuen Rotationsplan nicht auf einem passwortgeschützen Laufwerk hochladen können, damit Data von seiner persönlichen Computerkonsole darauf zugreift? Ich finde die Szene schön, v. a. Datas Blick, als er den Teekessel anschaut, ist super. Trotzdem wird hier die tolle Föderationstechnik des 24. Jahrhunderts wird auf eine umständliche und ineffiziente Weise benutzt. Ich glaube, in „Qpid“ gibt es eine Szene, in der sich Picard auf seine Rede vor dem archäologischen Symposium vorbereitet. Dabei benutzt er mehrere PADDs, als ob auf jedem PADD nur ein Dokument gespeichert wäre. Das sind doch E-Reader bzw. Tablets, die tausende von Dokumenten speichern können! Auch hier verweise ich auf VOY, da gibt es einige dieser Szenen, die ich teilweise richtig albern finde.

    Insgesamt habe ich an „Timescape“ nur wenig auszusetzen. Es ist eine super Folge, die eine spannende Story erzählt, in der die Crew ein Problem analysiert, durchspricht, eine Lösung findet und sie anwendet. Gefallen haben mir auch die ruhigen Momente, z. B. als Troi durch die Korridore geht und auf Crewmen trifft, die dort scheinbar zur Salzsäule erstarrt sind. Diese Episode ist ein Paradebeispiel dafür, dass man für eine kurzweilige, spannende und unterhaltsame Folge keine bösen Feinde oder bombastischen Action-/Kampfszenen braucht. 8 von 10 künstlichen Quantumsingularitäten.

    LL&P
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      danke, für den lustigen Moment, als wir das Bild von Picard mit der Smiley-Wolke geöffnet haben. Wo konnten wir noch gleich die Shirts und Tassen bestellen?
      Deine Kritik bzgl. der PADDs teilen wir – tja, so sieht es wohl aus, wenn der Regisseur Arbeit für den Chef sehen will, zulasten der Glaubwürdigkeit moderner Technik und der Umwelt, oder was man mit soviel „Papierkram“ im 24. Jahrhundert belasten kann.

      LG
      Chris

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