Folge 182 – TNG – Der rechtmäßige Erbe

Dem guten Worf geht’s spirituell so schlecht, dass er eine kleine Pause einlegt auf Boreth, im klingonischen Kloster. Dort trifft er auf seinen Messias und tritt eine Diskussion los, die die Kluft zwischen Politik und Religion im klingonischen Reich überdeutlich aufzeigt. Kahless, der Überklingone, der keine imposante Gestalt braucht um groß zu sein, kämpft zuerst um seine Position als der Zurückgekehrte und neue Herrscher, und schließlich um sein rechtmäßiges Erbe. Mehr bleibt ihm wohl nicht.

Steigt mit uns ein in eine Diskussion über die klingonische Kultur, die Religion und so vieles mehr. Und steht bloß nicht dem Sturm im Weg – das ist ungesund!

2 Gedanken zu „Folge 182 – TNG – Der rechtmäßige Erbe“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris! 😉

    Auf ein langes Vorgeplänkel eurerseits folgt ein kurzer Teaser in der TNG-Episode!

    „From Dusk Till Dawn“, „Das Leben des Brian“… Chris, du erwähnst spannende Filme! Möchtet ihr nächste Woche über den Titty Twister und die Judäische Volksfront sprechen? 😅 Ihr habt „Stargate“ angesprochen. General Hammond sagt auch gern „God bless you!“ bzw. „Gott schütze Sie!“, wenn er das SG-1-Team auf eine gefährliche Mission schickt.

    Mir gefällt die Darstellung der klingonischen Religion in dieser Folge nicht so ganz. Ich bin selbst Atheist, hatte aber bis zur dritten Klasse katholischen Religionsunterricht, den ich tatsächlich mochte, weil die meisten Lehrer*innen nett waren und mir ganz einfach die Bibelgeschichten gefielen. Ich erinnere mich an gezeichnete Bilder, die z. B. Jesus Christus beim Vollbringen seiner Wunder zeigen und an solche, die ich selbst gemalt habe. Ich bin wie Sebastian Göttling: Erzähle mir eine gute Geschichte und ich bin gefesselt. Genau das machte den Religionsunterricht für mich aus. Die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten fand ich z. B. toll! Moses tritt vor den Pharao, wirft seinen Stab auf den Boden und dieser verwandelt sich in eine Schlange… was kann ein sechsjähriger Junge, der Fantasy und Science-Fiction mag, mehr wollen? Ich jedenfalls übernahm alles, was mir im Religionsunterricht erzählt wurde, unkritisch und hielt es für ein weiteres Schulfach wie Rechnen und Lesen/Schreiben. Ich ging zur Schule, um etwas zu lernen und hatte dabei meistens Spaß. Der Religionsunterricht bildete keine Ausnahme.

    Als ich älter wurde, fielen mir die Widersprüche auf:
    Einerseits heißt immer wieder, alle Geschöpfe auf der Erde, also auch alle Menschen, seien Kinder Gottes und würden von ihrem „Vater im Himmel“ geliebt. Andererseits gibt es Geschichten wie die vom Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft, die mit der Vernichtung der ägyptischen Armee durch eine Flutwelle endet, welche wiederum von Moses mit Gottes Hilfe ausgelöst wurde, die Zerstörung von Sodom und Gomorrha, die Sintflut etc.
    Im Religionsunterricht erzählt uns der sehr nette Kaplan von der Lehre Jesu, die alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Bildung, etc. einschließt und ihnen erlaubt, eine Gesellschaft des Friedens und Wohlergehens zu erschaffen. Das hört sich gut an! Im Geschichtsunterricht höre ich aber von der spanischen Inquisition, die im Auftrag des Papstes tausende Menschen folterte und ermordete.
    Dazu kommen der Ablasshandel, die Vetternwirtschaft der Renaissance-Päpste, die Missionierung in den Kolonien inkl. Vernichtung der einheimischen Kulturen, der Dreißigjährige Krieg, die von hochrangigen Vertretern der katholischen Kirche organisierte Fluchthilfe für Nazi-Kriegsverbrecher, der Kreationismus, die Homophobie usw.

    Was hat das alles mit der Lehre von Jesus Christus zu tun? Wie passt das zur angeblichen „Liebe“, die wir Menschen von unserem himmlischen „Vater“ erfahren dürfen? Die Antwort ist: Es passt nicht zusammen. Außerdem habe ich Probleme mit der Vorstellung einer omnipräsenten, omnipotenten Entität namens „Gott“, die irgendwie, irgendwo, irgendwann „außerhalb von Zeit und Raum“ (schwurbel-schwurbel-schwuuuurbel!) existieren soll, der aber trotzdem ganz selbstverständlich typisch menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Tatsache, dass sich Menschen so was ausgedacht haben, ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns und ihre psychologisch bedingte Abhängigkeit von abstrusen Glaubenskonstrukten, die viel zu oft mehr der Machtfülle einzelner dienen als dem Wohl der Gemeinschaft. Ich könnte jetzt noch auf Reliquien, Marienerscheinungen, blutende oder weinende Statuen und andere Themen eingehen, aber das lasse ich bleiben.

    Die Klingonen in „Rightful Heir“ erinnern mich an mein sechs-/sieben-/achtjähriges Ich, das eine Geschichte aus der Bibel hört und für bare Münze nimmt. Warum braucht es für die Story diesen Klon? Mag ja sein, dass eine 1.500 Jahre alte Prophezeiung existier, die besagt, Kahless würde eines Tages „zurückkehren“. Müssen die religiösen Klingon*innen diese „Rückkehr“ unbedingt wörtlich verstehen und darauf warten, dass Kahless als real existierende Person in voller Lebensgröße vor ihnen steht und verkündet: „Ich bin Kahless und ich bin zurückgekehrt.“? Letztendlich geht es doch viel mehr um nicht materielle Dinge wie eine Geisteshaltung, Ideale, den Zusammenhalt der klingonischen Gesellschaft und nicht um Kahless als Person! Der Kahless-Klon sagt in der letzten Szene zu Worf genau das:
    „Kahless left us. all of us, a powerful legacy. A way of thinking and acting that makes us Klingon. If his words hold wisdom and his philosophy is honourable, what does it really matter if he returns? What is important is that we follow his teachings. Perhaps the words are more important than the man.“

    Wichtig ist also nicht die Person des Kahless, sondern seine Art zu denken und handeln, seine Philosophie und Ehrbarkeit. Wenn dem so ist, wieso benötigt die Episode diesen Klon? Wenn dem so ist, wieso benötigen die religiösen Klingon*innen diesen Klon? Ich finde, hier hätte es viel besser gepasst, wenn die Prophezeiung von Kahless‘ Rückkehr nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne ausgelegt worden wäre. Dann hätte es – wie im Buddhismus – eine Inkarnation des Kahles oder einen geistigen Erben gegeben, der Kahless‘ Lehre weiterträgt. Koroth & Co. haben den Kahless-Klon erschaffen und darauf „programmiert“, bestimmte Dinge zu sagen. D. h.: Eine kleine Elite von Klerikern legt fest, woran „das Volk“ zu glauben hat und lenkt auf diese Weise seine Geschicke. Ich kann nicht behaupten, dass mir diese Vorstellung gefällt! Hätte Koroth den Klon so programmiert, dass er die ganze Zeit fordert, die Klingonen müssten endlich wieder Kriege gegen andere Völker führen und in „ruhmreichen“ Schlachten deren Planeten erobern, würde die breite Masse auch das ohne Widerspruch akzeptieren.

    Gibt es im ganzen klingonischen Reich nur eine einzige Religion? Ich fände es plausibler, wenn es mehrere Religionen gäbe. In manchen wird Kahless verehrt, in anderen nicht. Manche glauben an seine Rückkehr, andere nicht. Die einzelnen Konfessionen gehen wiederum auf verschiedene Weise mit ihm um. Insgesamt hätten die Klingon*innen viel kritischer gegenüber dem Kahless-Klon sein müssen.

    In „Rightful Heir / Der rechtmäßige Erbe“ gefallen mir grundsätzlich die Klingonen, Worfs Hadern mit seinem Glauben und die Tatsache, dass sich die Sternenflotte einfach mal aus den Angelegenheiten eines anderen Volkes heraushält. Darum gebe ich ihr 7 von 10 Meditationsstunden im Kloster auf Boreth.

    LL&P 🖖 👋
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      vielen Dank für deine Einblicke. Ich selbst würde mich auch als Atheist bezeichnen, wir sind damals nicht kirchlich aufgewachsen. Es war in unserer Familie eine reine Sache der Tradition, zu Weihnachten in die Kirche zu gehen und sich das Krippenspiel anzugucken. Kinder wurden getauft und ich wurde natürlich auch konfirmiert. Alles ohne, dass es etwas mit echtem, gelebtem Glauben zu tun hat, wie ich herausfand, als ich gegen meine Konfirmation protestiert hatte. Im Unterricht lernte ich den Grund für diese Konfirmation kennen und stellte fest, dass es nicht zu mir passte. Es gab viel Ärger in der Familie, weil meine Auflehnung nicht gut aufgenommen wurde. Ich glaube nicht, wieso sollte ich dann einen religiösen Akt vollführen?! Das prägte mich insofern, dass ich mittlerweile der Ansicht bin, einen Glauben hat sicherlich jeder Mensch, man kann an ganz verschiedene Dinge glauben, ohne dass Gott etwas damit zu tun hat. Das wäre Religion, bzw. religiöser Glauben. Ich glaube an viel Gutes in den Menschen und der Welt und möchte offenen Herzens und Verstandes in die Welt gehen, aber das hat nichts mit Religion oder Kirche zu tun! In dieser Hinsicht bin ich durch und durch Atheist. Ich meide auch kirchliche Veranstaltungen und bete auch nicht aus missverstandener Höflichkeit mit, weil ich das für unlauter, für betrügerisch halte. Es fühlt sich zumindest so an. Ich respektiere den Glauben aller, auch der Klingonen, aber teile es nicht.
      Deine Kritikpunkte finde ich sehr verständlich, v. a. dass die Person Kahless nicht so viel wiegt, wie die Ideologie hinter dem Mann.

      In diesem Sinne liebe Grüße
      Chris

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