Folge 181 – TNG – Verdächtigungen

Folgen mit Gerichtsverhandlungen haben eine lange Tradition in Star Trek. Nun, zugegebenermaßen, eine richtige Verhandlung gibt es heute nicht, aber zumindest einen Krimi. Der vermeintliche Täter dieses Mal: Dr. Crusher.

Auf einer Konferenz zu einem unbekannten Thema, entdeckt der gute Doktor ihren Faible für allerhand Technologisches, so dass sie kurzerhand eine illustre Runde an Wissenschaftlern zur Enterprise einlädt, ohne zu ahnen, dass es schlimme Auswüchse annehmen wird. Und niemand kommt ihr zur Hilfe. Ist dies vielleicht ein Backdoor-Pilot zu einer CSI: Trek- oder Star Trek: Tatort-Serie? Besser wär’s vielleicht… Hört selbst!

3 Gedanken zu „Folge 181 – TNG – Verdächtigungen“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris! 😉

    Ich teile meinen Kommentar in vier Abschnitte auf, um ihn einigermaßen zu gliedern.

    TEASER / DR. REYGA
    Beim Teaser mit Beverly und Guinan kamen mir zwei Gedanken:
    1) Tolle Idee, die beiden zusammen zu bringen! Das hätten sie eigentlich schon viel früher machen sollen, v. a. weil sie so gut miteinander harmonieren. Jetzt bekommen Gates McFadden und Whoopie Goldberg erst in Guinans/Goldbergs letzter Episode die Gelegenheit, miteinander zu spielen… schade!

    2) Beverlys Satz „I’m not a doctor on this ship anymore.“ erinnert mich sofort an „Cause and Effect“, weil die Teaser in beiden Episoden auf dieselbe Art funktionieren: Die Enterprise explodiert / Beverly wurde entlassen. In beiden Fällen ist das Publikum verständlicherweise geschockt. Beide Episoden springen danach an den Anfang der Story und erklären uns, wie das alles passiert ist. Wahrscheinlich haben die Macher nach „Cause and Effect“ Gefallen an dieser Erzählweise gefunden.
    Dr. Reyga ist der erste Ferengi, der nicht als profitgeiler Idiot dargestellt wird! Es gibt also noch Hoffnung für die Ferengi (und für die Art, wie Star Trek sie portraitiert).

    METAPHASISCHE SCHILDE – EIN ALTER HUT?
    Dr. Reygas „metaphasicher Schild“ wird uns hier als neue Technologie verkauft. In der englischen Memory Alpha steht im Eintrag „Metaphasic Shield“:
    „Metaphasic shielding was a form of subspace shielding technology based on metaphasic fields invented by Dr. Reyga, a Ferengi scientist, in 2369.
    The metaphasic shield was capable of withstanding the pressure, radiation and energy of a star’s corona.“

    Das widerspricht leider einigen früheren TNG-Episoden!
    1) Genau ein Jahr zuvor, in „I, Borg / Ich bin Hugh“ versteckt sich die Enterprise in der Chromosphäre eines Sterns vor den Borg. Am Ende stehen Picard, Dr. Crusher, LaForge und Hugh im Transporterraum. Picard erklärt Hugh:
    „The Borg ship will enter orbit in one hour. Youll soon be headed home. We‘ll beam him down and then we’ll take up a position in the star‘s chromosphere. The interference will hide us from their sensors.“

    Die Enterprise befindet sich in dieser Folge also in der Chromosphäre eines Sterns. Die Chromosphäre ist wie die Corona ein Teil der Atmosphäre des Sterns. Sie befindet sich aber viel näher an der Oberfläche als die Corona! Das sieht man in dieser Grafik sehr deutlich:
    https://www.esa.int/var/esa/storage/images/esa_multimedia/images/2013/02/cool_layer_in_a_sun-like_star/12534676-1-eng-GB/Cool_layer_in_a_Sun-like_star.jpg

    Wenn die Enterprise also die Chromosphäre eines Sterns erreicht hat, muss sie zwangläufig seine Corona unbeschadet durchquert haben, und zwar OHNE den metaphasischen Schild. Oder MIT dem metaphasischen Schild, aber er wurde da noch nicht so genannt. Bei der Besprechung im Labor mit den Wissenschaftler*innen sagt Beverly:
    „I think you all realise what this shielding process could mean. The possibilities of exploration and research are endless.“

    Na gut, aber welchen Vorteil bringt der von Dr. Reyga entwickelte metaphasische Schild? Welche neuen Möglichkeiten zur Erforschung bietet er, die es vorher nicht gab, wenn die Enterprise seit mindestens einem Jahr die Corona eines Sterns durchqueren kann? In „I, Borg“ spielte das ja auch keine große Rolle, weil es anscheinend alltäglich ist. Geht es darum, ein kleines Shuttle anstelle eines großen Raumschiffes in eine Corona zu fliegen? Das wird so nicht gesagt.

    2) Das klingonische Reich wird Ende 2367 / Anfang 2368 von einem Bürgerkrieg erschüttert („Redemption / Der Kampf um das klingonische Reich“). Am Anfang des zweiten Teils sind Kurn und Worf mit ihrem Bird of Prey in ein Gefecht gegen zwei Kampfschiffe der Duras verwickelt. Um sie loszuwerden, gibt Kurn seinem Steuermann den Befehl, direkten Kurs auf einen Stern zu nehmen. Worf meldet ein paar Sekunden später:
    „We are entering the star‘s corona. We will reach the photosphere in thirty seconds.“

    Klingonische Schiffe konnten die Corona eines Sterns also auch schon im Jahr 2368 durchfliegen und sogar die Photosphäre erreichen! Die Klingonen können es und die Sternenflotte kann es. Warum ist Dr. Reygas metaphasischer Schild etwas Besonderes?

    HUMBUG UND UNFUG
    Ihr habt viel über die fehlende Logik bezüglich Beverly gesprochen. Geordi wollte in der Folge „Aquiel“ vor ein paar Wochen den Ermittler spielen, was doof war. Bei Beverly ist es hier leider genauso. Guinans toller Ratschlag „Wenn du sowieso suspendiert bist, kannst du ja auch einfach weiterermitteln!“ hat mich rausgerissen und mich dazu veranlasst, die ganze Story mal ernsthaft zu hinterfragen. Warum sagt Guinan so einen Blödsinn? Ist ihr nicht klar, dass auf Beverly die nächsthärtere Strafe wartet, wenn sie trotz der Suspendierung einfach weitermacht? Sind Strafen in der Sternenflotte bedeutungslos? Diese Frage muss ich mir leider auch bei DS9 stellen.

    Es läuft alles auf Jo’Bril hinaus, weil er der Mörder ist. Das ist ja eine echt krasse Entdeckung! Es ergibt bloß hinten und vorne keinen Sinn. Dröseln wir den Ablauf der Ereignisse auf (oder versuchen es wenigstens):
    Am Anfang fliegt Jo’Bril das Shuttle Justman für den ersten Test des metaphasischen Schildes in die Corona der Sonne. Dabei täuscht er seinen eigenen Tod vor und „verstirbt“ auf der Krankenstation. Danach führt Beverly an seinem „Leichnam“ eine „Autopsie“ durch. Bemerkt ihr die vielen Anführungszeichen? Ich auch! Nehmen wir mal gaaanz großzügig an, Jo’Bril überlebt die Autopsie irgendwie aufgrund seiner Physiologie und liegt danach in einem Stück auf der Krankenstation. Schließlich übersteht er am Ende auch den Phaserschuss, der ihm ein schönes Loch in den Bauch brennt. OK, Jo’Bril liegt also in einem todesähnlichen Zustand auf der Krankenstation. Danach verfrachtet ihn Beverly oder Alyssa in diese Kammer, der zur Aufbewahrung von Leichen benutzt wird. Ich denke, es ist eine Art Kühlkammer, wie man sie in der Pathologie von Krankenhäusern verwendet.
    Was passiert danach? Dr. Reyga wird im Labor ermordet… und zwar von Jo’Bril. WTF!?! Da hört es bei mir auf! Ich fühlte mich gerade, als ob mein Gehirn einen Systemabsturz hätte. Wie zum Henker gelingt es Jo‘Bril, seine Kühlkammer zu verlassen, und zwar OHNE BEMERKT ZU WERDEN? Turnt er danach nackt durch die Krankenstation, was auch NIEMANDEM AUFFÄLLT? Anschließend findet er den Aufenthaltsort von Dr. Reyga heraus. Um ihn zu ermorden, stiefelt der eigentlich tote Jo’Bril also seelenruhig aus der Krankenstation. Moooment! Läuft in den Korridoren der Enterprise ab und zu eine lebende Leiche herum? Wie kehrt Jo’Bril nach dem Mord – wiederum unbemerkt! – in seine Kühlkammer zurück, um sich dort wieder hinzulegen? Dabei muss ihm doch mindestens ein Komplize geholfen haben, oder? Konnte er sich dort hinlegen und die Klappe von innen schließen? Das kann ich nicht glauben! Wieso sollte das technisch möglich sein? Außerdem haben wir gesehen, dass Alyssa nach der unerlaubten Autopsie an Dr. Reygas Leiche eine Taste auf dem Bedienpanel drückt, um seine Kühlkammer zu schließen. Wenn alle Kammern gleich funktionieren (es gibt keinen Anlass, etwas anderes zu vermuten), ist das schlicht und ergreifend unmöglich.

    Gegen Ende ist mir der zeitliche Ablauf der Ereignisse überhaupt nicht klar: Alyssa und Beverly untersuchen zusammen Jo‘Brils „Leichnam“ und finden dabei Tetryon-Partikel in seinem Gewebe. Beverly schließt daraus, dass der metaphasische Schild tatsächlich sabotiert wurde. Alyssa meint, das wäre nur EINE mögliche Erklärung. Beverly antwortet, es gäbe nur einen Weg, um sicherzugehen. Danach verlässt sie die Krankenstation. Alyssa bleibt mit Jo’Brils „Leichnam“ in der Krankenstation zurück. Ich verstehe es so, dass Beverly jetzt in den Shuttlehangar geht und die Justman betritt. In der nächsten Szene auf der Brücke stellt Data den unerlaubten Start des Shuttles fest, also muss das unmittelbar nach der Szene in der Krankenstation stattfinden. Trotzdem ist es Jo’Bril irgendwie gelungen, VOR ihr dort zu sein und sich im Shuttle zu verstecken?!? Wie funktioniert denn das? Beamt er sich unter Ogawas Augen (die selbstverständlich NICHTS mitbekommt) von der Krankenstation direkt ins Shuttle? Diese Folge macht mir ernsthaft Kopfschmerzen!

    FAZIT
    Ich hätte das Shuttle „Justman“ einfach „Bob“ genannt, aber das ist nur ein Nebenaspekt.
    Ja, „Suspicions“ ist eine Kackfolge und tut unserer lieben Beverly gar nicht gut, ähnlich wie „The Host / Odan, der Sonderbotschafter“, nur schlimmer. In der siebten Staffel lauert uns noch eine ganz, ganz furchtbare Beverly-Folge auf. Vor der habe ich jetzt schon Muffensausen. Aber gemeinsam stehen wir das durch! Ihr zerreißt sie in der Luft, ich stimme euch zu und am Ende fühlen wir uns alle ein wenig besser.

    Zu „Suspicions“ empfehle wieder das Review von Lorerunner:
    https://www.youtube.com/watch?v=hNucT8GzkPA

    LL&P 🖖 👋
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      ich habe mich wirklich sehr amüsiert über deine Zusammenfassung der Ereignisse aus dem kriminologischen Standpunkt. Das fasst die Unlogik nochmal richtig gut zusammen.
      Danke für den Link zu dem anderen Review, sehe ich mir morgen Abend mal an.
      Ich habe fast schon gehofft, du sprichst „Sub Rosa“ nicht an (mir lag es bei der Besprechung auf den Hirnwindungen), aber ja, da werden wir uns ganz dolle an den Händen fassen und zusammen das durchstehen. Ich empfehle da auch sehr gerne immer wieder den Honest Trailer zu TNG, der auch einmal kurz diese Folge mit dabei hat und die Kommentare und die fassungslose Lache dazu, wären das perfekte Fazit für diese Folge. Aber vielleicht spielen Anja und ich dann ein neues Spiel: „Finde das Gold in all dem Kackhaufen und rede nicht über das Schlimme“! Könnte sehr anstrengend werden, ich schiele da auch in Richtung „Threshold“ Brrr!

      Bis dahin, alles Gute und liebe Grüße
      Chris

      1. Hi Chris!

        Ich schätze mich selbst als kritischen Zuschauer ein, vielleicht kommt das durch die vielen Podcasts, die ich höre. Ich lege eben viel Wert auf eine plausible Story und mehrdimensionale, gut ausgearbeitete Charaktere. Es muss nicht unbedingt spannend, episch oder tiefgründig sein, aber es sollte in sich einigermaßen Sinn ergeben.

        Bei einer Folge wie „Suspicions“ fällt alles auseinander, weil offensichtlich nichts richtig durchdacht und ausgearbeitet wurde. Die Szene, in der Beverly erzählt, wie sie Dr. Reyga zum letzten Mal lebend gesehen hat „‚Das war das letzte Mal, das ich ihn lebend sah…‘ – SCHNITT! – Dr. Reyga ist tot“ ist ein Beispiel für faules Schreiben. In einem Schreibseminar von Christian Humberg wären sie damit nicht durchgekommen! Sowas ärgert mich einfach. Bei Monty Python oder Austin Powers wäre es ok, aber nicht in einer Star Trek-Folge, die eine Kriminalgeschichte erzählen möchte und das ernst nimmt (oder zumindest so tut als ob). An einigen Stellen musste ich an Arnold Schwarzenegger und seine berühmten „Don’t bullshit me!“-One-liner denken.

        LL&P
        2Voq

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