Folge 167 – TNG – Eine echte „Q“

Dorothy wurde vom Sturm aus Kansas weggetragen und wachte in einem fremden Land wieder auf. Die böse Hexe des Ostens hat’s dahingerafft. Ähnlich läuft’s bei TNG ab, nur heißt Dorothy hier Amanda, nicht sie sondern ihre Eltern hat der Sturm erwischt, nicht weggetragen sonder umgebracht wurden sie und aus der böse Hexe wird der Q – ja, richtig, John de Lancie-Q. Warum so überdeutlich? Nun, er ist nicht der einzige an Bord, denn er hat einen Plan der Barmherzigkeit ausgeheckt, den hoffentlich keiner errät. Oder wie seht ihr das? Ist dies vielleicht eine der besseren Q-Folgen, oder will man uns da einen Hundewelpen aufbinden? Oder besser gleich 12?

2 Gedanken zu „Folge 167 – TNG – Eine echte „Q““

  1. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Ich hatte keine Angst, dass Riker versuchen würde, Amanda zu verführen. Die Szene, in der er sie zu ihrem Quartier führt, wirkt auf mich sehr normal und gelassen. Ich traue ihm zu, auch ohne Hintergedanken mit einer Frau zu sprechen.

    Als ihr darüber diskutiert habt, was ihr mit Q-Kräften tun würdet und Anja vom Weltfrieden spricht, dachte ich eine Episode der Serie „Akte X“ mit dem Titel „Je Souhaite / Drei Wünsche“, in der Mulder und Scully einer Dschinn begegnen, also einem uralten, mythologischen Geist mit Q-ähnlichen Kräften. Weil Mulder sie gefunden hat, möchte sie ihm drei Wünsche erfüllen. Er wünscht sich zuerst den Weltfrieden – und sie lässt alle Menschen verschwinden, weil dadurch „Frieden“ herrscht. Ich fand die Folge damals sehr witzig, v. a. wegen der vielen düsteren Horrorstorys mit Verschwörungen und Entführungen durch Außerirdische („Schisms“ lässt grüßen!) im Rest der Serie.

    Im Dialog zwischen Amanda und Q macht er eine Behauptung, die sich in einigen Jahren als falsch herausstellen wird:
    Q: Well. to put it simply, we’re omnipotent. There’s nothing, nothing we can’t do.
    AMANDA: And what do you do with this power?
    Q: Anything we want.
    Nein, die Q können NICHT alles tun, was sie möchten! Zu einer ganz wichtigen Sache sind sie nämlich nicht in der Lage (siehe eine spätere Serie).

    Das Versteckspiel (auf englisch „hide and seek“) von Q und Amanda ist mMn eine direkte Anspielung auf die Episode „Hide and Q / Rikers Versuchung“.

    Für mich ist „True Q / Eine echte Q“ tatsächlich eine der schlechteren Q-Folgen. Meine Probleme fangen schon mit der Szene an, in der Riker im Shuttlehangar beinahe von einer herunterfallenden Kiste erschlagen wird. Ja, das hat Q absichtlich ausgelöst, um Amandas Fähigkeiten zu testen. Die Crew weiß das zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht! Sie glauben, es wäre ein Unfall gewesen. Na gut, und wie reagiert man auf einen Unfall? Er wird untersucht, um die Ursache zu ermitteln und solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden! Was tun der Erste Offizier und der Chefingenieur stattdessen? Sie arbeiten einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Wurde uns nicht immer wieder vermittelt, dass die Enterprise das Flaggschiff der Sternenflotte ist und dort nur die „Elite der Elite“ Dienst tun darf? Unfallverhütung gehört anscheinend nicht zum Unterrichtsstoff an der Akademie… „True Q“ spielt nebenbei bemerkt im Jahr 2369, also nur ein Jahr nachdem unser Lieblings-SICH-ER-HEITS-CHEF (SICHERHEIT!) Worf bei einem ganz ähnlichen Unfall eine Querschnittslähmung erlitt. Wenn ich dort arbeiten würde, dann „hätte der Arsch Kirmes“, um Sebastians farbige Metapher zu benutzen. Nein, im Ernst: Ich würde nach diesem Vorfall mit Riker zum Captain gehen und ihm ein paar Fragen stellen, u. a. über die Unfallverhütung und Arbeitssicherheit an Bord seines Raumschiffes. Gibt es da keine Gesetze und Regeln, die eingehalten werden müssen? Was sagen eigentlich der Betriebsrat und die Berufsgenossenschaft zu diesen Zuständen an Bord des – ACHTUNG! – Flaggschiffs der Sternenflotte? Ich mache mich ein bisschen darüber lustig, aber den Vorgang an sich finde ich alles andere als lustig, sondern eher schockierend.

    Weiter geht’s mit der Prämisse dieser Story, die da lautet: „Zwei Q wünschen sich nichts lieber als in Menschengestalt auf der Erde zu leben. Dabei bekommen sie ein Kind, das menschlich erscheint. Es glaubt selbst, ein Mensch zu sein und entdeckt seine Q-Fähigkeiten erst nach seinem 18. Geburtstag.“. Wahrscheinlich ist das nur meine Meinung, aber ich nehme das der Folge nicht ab!

    Direkt nach dem Teaser scannt Beverly die gute Amanda mit einem medizinischen Tricoder und misst dabei „alle ihre Vitalfunktionen“ wie Herzschlag, Blutdruck usw. Bei der Besprechung in der Observation Lounge betont Beverly, dass Amanda ein Mensch ist und antwortet auf Q: „Her parents, her biological parents, were human.“ Amandas leibliche Eltern waren also Menschen und sie ist ebenfalls ein Mensch! Wieso hat sie Q-Fähigkeiten? Mir ist das alles zu schwammig und schwurbelig, als das ich es glauben könnte. Es muss nicht zu 100% erklärt werden, aber in sich sollte die Story schon halbwegs logisch sein, v. a., weil es eine Story mit zwei Dilemmata (Wie gehen die Q mit Artgenossinnen und Artgenossen um, die sich nicht an die Regeln halten? Wie verhält sich eine Person, die über Q-Kräfte verfügt?) ist. Sie ist aber in weiten Teilen unplausibel. Auf die Ausgangslage in „True Q“ seid ihr meiner Meinung nach nicht eingegangen!

    Es gibt nämlich eine Spezies, die sich „Q“ nennt. Im Vergleich zu Menschen verfügen die Q über gottgleiche Kräfte, sind omnipräsent und im wahrsten Sinne des Wortes „übermächtig“. Eines schönen Tages entscheiden sich zwei Q dafür, die Gestalt eines menschlichen Mannes und einer menschlichen Frau anzunehmen und als menschliches Ehepaar auf der Erde zu leben. Warum tun sie das? Warum übernehmen Q wie selbstverständlich typisch menschliche Konzepte wie Körperlichkeit, Geschlechter und Geschlechterrollen, Emotionen, Liebe, Sexualität, Fortpflanzung, Ehe, Familie, Kinderwunsch usw.? Sie sind gottgleiche Wesen, für die solche Dinge keine Rolle spielen dürften! Sie denken und handeln nicht menschlich, weil sie keine Menschen sind! In meinen Augen findet hier eine krasse Entzauberung der Q statt: Gestern waren sie noch gottähnliche, unberechenbare Wesen aus den unerforschten Tiefen des Universums, heute sind sie meine Nachbarn, die sich ganz normal verhalten und nicht weiter auffallen. Wie kommen diese beiden Q dazu? Haben sie eine US-amerikanische Daily Soap gesehen und sich gedacht: „Boah, geil! So möchten wir auch leben!“? Danach schnippen sie einmal mit den Fingern und schon befindet sich das Ehepaar (natürlich als Mann und Frau, denn so gehört sich das!) Stanley und Shirley Q-Brick in einer typischen, amerikanischen Vorstadtsiedlung auf der Erde. Dort grüßen die beiden freundlich ihre neuen Nachbarn, beziehen ihr schmuckes Häuschen im New England-Style, gehen jeden Tag für acht Stunden zur Arbeit, veranstalten Grillpartys, engagieren sich ehrenamtlich im örtlichen Gemeindezentrum, kehren zwei Mal pro Woche die Straße vor ihrem Haus und tun all die Dinge, die man von ihnen erwartet. Selbstverständlich bekommen Shirley und Stanley Q-Brick dann auch ein Kind, denn was gibt es für zwei Q… ich meine Menschen schöneres, als Eltern zu werden? Ich verstehe das nicht und die Episode unternimmt keinen Versuch, es mir zu erklären.

    Wenn sich zwei Q so verhalten, müsste es auch Menschen geben, die den innigen Wunsch verspüren, als Einzeller in einem Tümpel zu leben. Im Vergleich zu den Q stehen Menschen nämlich auf einem ähnlichen Niveau wie einzellige Organismen im Vergleich zu Menschen. Ich halte diese Prämisse für Blödsinn. Kennt ihr jemanden, der unbedingt ein Einzeller sein möchte? Ich nicht!

    Geordi sagt über die Bewohner von Tagra IV: „They managed to pollute their atmosphere pretty badly.“. Dieses Volk geht also sehr rücksichtslos mit ihrem Planeten um. Wenn ich ein Q wäre und ihnen helfen wollte, würde ich ihnen zuerst drastisch vor Augen führen, was ihre Umweltverschmutzung für den Planeten bedeutet und danach einen kleinen Teil des angerichteten Schadens mithilfe meiner Fähigkeiten beseitigen, so dass die Zivilisation halbwegs gut weiterexistieren kann. Den Rest dürfen sie gern selbst aufräumen, schließlich haben sie es selbst verursacht. Das dauert wahrscheinlich Generationen, aber sie müssen mit ihren Fehlern klarkommen. Amanda schnippt nur ein Mal mit den Fingern und schon ist alles wieder OK. Haben die Tagraner etwas daraus gelernt oder fangen sie nächste Woche wieder an, die Umwelt auf Teufel komm raus zu verschmutzen? Verlassen sie sich dann wieder auf eine(n) Q, die/der mit den Fingern schnippt und die Sache in Ordnung bringt?

    Chris, du sagst am Schluss: „Vielleicht wird Amanda eine von den Q werden, die durch die Galaxie reisen und den Leuten helfen.“
    Wie „hilft“ man „den Leuten“ in einer Galaxie? Jemandem zu helfen bedeutet ihm Gutes zu tun. Es hat aber alles zwei Seiten, denn was für eine Person, eine Zivilisation oder eine Spezies gut ist, ist zwangsläufig für jemand anderen schlecht! Beispiel Ernährung: Ich möchte weiterleben und muss darum Nahrung zu mir nehmen. Die Nahrung, die mein Körper verdauen kann, besteht aus Teilen von Pflanzen oder Tieren. Damit ich mich ernähren kann, müssen also Pflanzen und/oder Tiere sterben. Ist das für die Plfanzen und Tiere „gut“? Die Tagraner haben durch ihre Umweltzerstörung wahrscheinlich schon unzählige Spezies auf ihrem Planeten ausgerottet. Ist es „gut“, wenn sie überleben und damit weitermachen? Es gibt kein universelles „Gutes“ oder „Böses“ bzw. „Schlechtes“!

    LL&P
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      Stanley Q-Brick?! Ich habe mich fast vollgemacht vor Lachen.
      Der Vergleich mit dem Einzeller finde ich jetzt etwas übertrieben. In der Folge, die du weiter oben angedeutet hast, in der klar wird, dass Q nicht alles können, da gibt’s, vorsichtig angedeutet, auch jemanden, der einen speziellen Wunsch hat, den ich durchaus, in seiner Grundaussage, verstehen kann (alles Weitere dann mal in der Besprechung). Klar, ist der Abstand zu den Menschen aus Q-Sicht vielleicht vergleichbar mit Einzellern, aber die Leben, die man als Mensch oder Einzeller lebt, sind doch schon sehr verschieden. Der Abstand würde mit Sicherheit stimmen, ich maße mir aber an behaupten zu dürfen, dass ein Q als Mensch mehr „leben“ kann, als ein Mensch als Einzeller.
      Allerdings finde ich deine Kritik an der Folge sonst absolut nachvollziehbar! Ich war auch nie sonderlich Fan dieser Folge, fand einfach nur Q, wie er auf Amanda auf seine Weise aufpasste, irgendwie… gut. Immer schwierig bei Q (dem Q), aber ich mag ihn dennoch.

      Du hast vollkommen recht, universelles Gutes oder Schlechtes gibt es nicht. Wer hilft, muss aufpassen, wie. Michael Jackson soll ja armen Kindern mal 1 Million Dollar gespendet haben, was an sich gut ist, aber angeblich (keine Ahnung ob’s stimmt) jedem armem Kind jeweils einen Dollar. Sowas hilft einfach niemandem.

      LG
      Chris

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