Folge 135 – TNG – Der Kampf um das Klingonische Reich – Teil 1 & 2

An diesem Freitag können wir endlich mal hinter den Vorhang blicken, was von langer Hand quasi vorbereitet wurde. Schaut mit uns in den Schatten, damit wir sehen, wer oder was sich dahinter verbirgt.  Da kann man schon mal Bauklötze staunen, schließlich schwirrt auch dem guten Herrn Picard gehörtig der Kopf.

Teil 1 markiert die 100. Folge TNG – da darf man schon mal bisschen epischer werden. Habt Sitz- bzw. Hörfleisch dabei, dieser Freitag wird ordentlich!

In diesem Sinne, Qapla’!

2 Gedanken zu „Folge 135 – TNG – Der Kampf um das Klingonische Reich – Teil 1 & 2“

  1. Hi Anja, Hi Chris!

    Chris, ich finde Tony Todds Rolle in DS9 nach wie vor grandios und denke, dass du mir bei eurem Rewatch zustimmen wirst. Falls nicht, müssen wir uns mal unterhalten! 😉 Nein, im Ernst: die Rolle und die Folge sind Weltklasse und gehören zum Besten, was Star Trek jemals abgeliefert hat. Sie packt mich emotional auf eine Weise, wie es sonst nur wenigen Episoden gelingt und ist einer der Gründe dafür, dass DS9 meine Lieblingsserie ist. Es dauert noch lange, aber meine Vorfreude auf eure Besprechung köchelt schon seit geraumer Zeit gemütlich vor sich hin und wird wahrscheinlich kurz vor dem Termin akut werden. Ich habe mir kürzlich – wie ich zu meiner Schande gestehen muss zum ersten Mal! – die Comicverfilmung “The Crow – Die Krähe” von 1994 mit Brandon Lee angeschaut und da spielt Tony Todd auch mit.

    Hier ist ein kurzer Interviewschnippsel mit Robert O’Reilly, in dem er über seine Rolle des Gowron spricht:
    https://www.youtube.com/watch?v=mXYUf-_BnpA

    Zusätzlich zu den Unklarheiten über die Daten des Khitomer-Angriffs kommt ein Aspekt, der im Trekcast angesprochen wurde und zwar Worfs Rolle. Zuerst beantragt er bei Picard Urlaub, um seine Angelegenheiten zu regeln. Das erinnert mich an die TOS-Folge “Amok Time / Weltraumfieber”, in der Spock bei Kirk um Urlaub bat, um eine sehr persönliche Angelegenheit zu klären. Danach besucht Worf seinen Bruder Kurn, kehrt aber wieder auf die Enterprise und möchte auf die Daten zugreifen, was Picard ihm zunächst mit dem Hinweis auf einen möglichen Interessenkonflikt verweigert. Schließlich gibt er sie für jeden, der sie einsehen will, frei und betont, er könne nicht mehr für Worf tun. Worf und Gowron bitten ihn um Unterstützung im Krieg gegen die Duras-Familie, aber Picard lehnt ab und begründet dies wieder mit der Unabhängigkeit der Föderation. Er lässt sogar abdrehen, als die Bortas angegriffen wird, obwohl Worf noch an Bord ist. In letzter Sekunde kommt Kurn der Bortas zu Hilfe und Gowron wird doch von Picard zum neuen Anführer des Hohen Rates ernannt. Worf fühlt sich nun Gowron und dem klingonischen Reich verpflichtet und quittiert den Dienst bei der Sternenflotte.

    Erstmal wundert es mich, dass die Kündigung so schnell und einfach möglich ist. Eine Kündigungsfrist scheint es bei der Sternenflotte nicht zu geben! Ich hätte von Worf die Fortsetzung seines Dienstes verlangt, bis er seine Nachfolgerin/seinen Nachfolger eingearbeitet hat. Nach Tashas plötzlichem Tod musste schnellstmöglich ein Nachfolger gefunden werden, aber die persönlichen Angelegenheiten eines Offiziers stehen nicht über den Belangen einer ganzen Raumschiffbesatzung! OK, Worf hat als Abteilungsleiter einen Stellvertreter, aber wenn dieser Abteilungsleiter wird, braucht seinerseits einen Stellvertreter. Rein formal und in Bezug auf die Organisation eines großen Raumschiffes wie der Enterprise finde ich diese Abruptheit sehr merkwürdig. Ebenso irritierend ist, wie nonchalant Worf seinen alten Posten nach dem Ende des Bürgerkrieges einfach wieder einnehmen kann. Er hat vorher gekündigt!

    Außerdem besitzt er umfangreiches Wissen über die Sternenflotte, z.B. Organisation, Technik, Waffen und Taktik. Hoffentlich hat er eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben, um keine militärischen Geheimnisse auszuplaudern! Da wird seltsamerweise kein Interessenkonflikt angesprochen.

    Die Party zwischen den Parteien des klingonischen Bürgerkriesges finde ich auch seltsam. Wir haben in TNG schon Völker gesehen, die in einen Bürgerkrieg verwickelt waren, z.B. die Bewohner von Turkana IV in “Legacy / Die Rettungsoperation”. Feiern die verfeindeten Soldaten der Allianz und der Koalition dort auch Partys zusammen? In der Episode sieht es nicht danach aus. Noch seltsamer finde ich aber, dass auf dieser Party, wo angeblich alle den Krieg Krieg sein lassen und nur feiern wollen, jemand mir nichts, dir nichts zusammengeschlagen und in bewusstlosem Zustand weggetragen wird. Das hat mit “Party” nix zu tun!

    Ich mag die Szene, in der Gowron von einem seiner Untergebenen herausgefordert wird und ihn tötet. Sie charakterisiert Worf und Gowron und verdeutlicht ihr Verhältnis. Ihr habt es in eurer Besprechung des 1. Teils schon gesagt: Worf hat kaum Zeit unter anderen Klingonen verbracht, darum kennt er ihre Kultur und ihren Umgang miteinander nicht aus praktischer Erfahrung. Er wurde von Menschen erzogen, dient in der Sternenflotte und war in seinem eigenen Volk jahrelang ein Ausgestoßener. Gerade deswegen möchte Worf der “klingonischste aller Klingonen” sein. Seine Zerissenheit zwischen den beiden Kulturen sieht man auch bei der Verabschiedung von der Enterprise: Sein Herz schlägt für das Klingonische Reich, aber er verabschiedet sich nicht wie Picard mit “Qapla'”, sondern mit “Goodbye”.

    Gowron ist Politiker und Stratege, aber kein guter Kämpfer. Worf weiß dass und hält ihn u.a. deshalb nicht für den besten Anführer. Er unterstützt ihn nur, weil es notwendig ist. Worf ist sich über die Gefahr, die von den Duras ausgeht, im Klaren und muss ihren Aufstieg an die Spitze des Imperiums unbedingt verhindern. Außerdem hat Gowron sein Versprechen eingehalten und die Ehre seiner Familie wiederhergestellt, darum ist Worf ihm gegenüber verpflichtet.

    In dem Moment, als Gowron herausgefordert wird, zeigt sich einerseits Worfs Loyalität, andererseits aber auch seine Naivität. Er möchte Gowron helfen, um den gemeinsamen Feind zu besiegen und seine “Schulden” (Wiederherstellung der Familienehre) zu bezahlen. Wahrscheinlich hat er eine Situation, in der ein klingonischer Anführer von seinen Kriegern in Frage gestellt und herausgefordert wird, nie selbst erlebt und kennt das nur aus Geschichten und Erzählungen. Worf denkt menschlich, föderativ und sternenflottig. Ich versuche mir seine Gedanken in diesem Moment vorzustellen:
    “Shit, Gowron wird von einem seiner Männer herausgefordert! Wenn wir jetzt aufeinander losgehen, wird uns das schwächen. Ich muss diesen Konflikt beenden! Vor sechs Monaten haben sich in meiner Sicherheitsabteilung an Bord der Enterprise zwei Lieutenants gestritten und fast geprügelt. Ich bin dazwischen gegangen und habe sie zur Räson gebracht, genauso mache ich es hier.”
    Worf unterschätzt dabei Gowron, denn der ist skrupellos und eiskalt. Gowron würde einen ehrlichen Kampf gegen einen anderen Klingonen nicht überleben und weiß das. Weil Worf den Herausforderer ablenkt, kann Gowron ihm ein Messer in die Brust rammen. Gowron kam Worfs Ablenkung sehr gelegen und er hat kein Problem damit, den abgelenkten Herausforderer einfach umzubringen. Worf hatte das nicht beabsichtigt, sich jedoch von Gowron ausnutzen lassen. Worf wollte nur einen Streit schlichten, ging aber mit seinen typisch menschlichen Maßstäben an die Sache heran und erkennt hinterher, dass sie fehl am Platz waren. Als Gowron ihn anlacht und sagt “Jetzt kann der Krieg weitergehen!” ist Worf schockiert und guckt entsetzt, weil er begreift, was er gerade getan hat.

    Das passt zur Szene am Ende, als Gowron ihn auffordert, Toral zu töten. Der Politiker Gowron pocht auf die klingonischen Traditionen, um seine Macht zu festigen und sagt: “Es ist der klingonische Weg.”. Worf antwortet: “Es ist nicht MEIN Weg.”. Über die ganze Folge – wenn ich an “Heart of Glory / Worfs Brüder” denke, eigentlich schon seit der 1. Staffel – wird Worfs innerer Zwiespalt demonstriert. Das ist sein Thema, so wie andere Charaktere ihre Themen haben. Ich finde das gut, weil es für mich TNG verkörpert.

    Ja, die Klingonen haben einen hohen Verschleiß an Soldaten! 🙂

    Bei der Szene im Ready Room, in der Guinan Picard erklärt, ER wäre für Selas Auftauchen verantwortlich, frage ich mich genau wie ihr, wieso sie IHM die Schuld gibt. Erstens hat Picard in einer alternativen Zeitlinie “seine” Tasha auf ihren Wunsch hin an Bord der Enterprise-C in die Vergangenheit geschickt. Zweitens hat Guinan in dieser alternativen Zeitlinie auf Picard eingewirkt und ihm gesagt: “Hier ist alles falsch, die Enterprise ist kein Kriegsschiff und wir sollten Familien mit Kindern an Bord haben.”. Zu Tasha sagte sie: “Sie sind eigentlich schon tot und dürften gar nicht hier sein. Ihr Tod war übrigens sinnlos.”. Sie war ganz direkt für Tashas Zeitreise verantwortlich! Wieso spürt sie DAS nicht mit ihren Fähigkeiten?

    So, das sind erstmal meine Gedanken zu “Redemption / Der Kampf um das klingonische Reich”. Vielleicht fällt mir später noch was ein.

    LL&P
    2Voq

    P.S.: Von “Black Mirror” habe ich im Podcast “Wieder Voyager” gehört, sie aber nie selbst gesehen.

    1. Hi 2Voq,

      Vielen Dank für den Link zu dem Video. Ist ein DVD-Bonusfeature, wenn ich mich recht erinnere.
      Ebenso vielen Dank für deine weiterführenden Beobachtungen zu Worf und Gowron. Gerade bei letzterem dachte ich gerade an seinen weiteren Werdegang, auch bei DS9. Wird sehr interessant, dass hier gemeinsam en detail zu ergründen.

      Letzte Bemerkung: Guck Black Mirror – könnte dir mit Sicherheit gefallen (nicht alles, aber so einiges) 😉

      LG
      Chris

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