Folge 128 – TNG – Die Reise ins Ungewisse

Abermals ein generischer Titel, der eher die Serie als die Episode umreißt, aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt. Wir versuchen es etwas konkreter, denn wir treffen diesen Freitag auf Gott (vielleicht sogar den aus Star Trek V oder einen seinen Mitgötter) und auf ein Crewmitglied, dass auf dem Holodeck Star Trek: Superbrain spielt und einen auf HAL9000 macht. Wem da kein kalter Schauer überkommt.

Dennoch viel Spaß und gute Unterhaltung!

2 Gedanken zu „Folge 128 – TNG – Die Reise ins Ungewisse“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Der deutsche Titel dieser Folge ist wieder sehr generisch. “The Nth Degree” (Der nte-Rang) deutet immerhin auf Barclays Weiterentwicklung hin. Ich hätte einen deutschen Titel wie “Die nächste Stufe” besser gefunden.

    Ich mochte diese Folge von Anfang an sehr. Eure Kritik kann ich zwar nachvollziehen, aber ich sehe einiges weniger kritisch als ihr.

    Regs Technobabble nach der Zerstörung der Sonde dient nur dazu, Riker dumm aussehen zu lassen. Das gelingt der Szene aber wie ich finde sehr gut und deswegen mag ich sie. Es geht gar nicht in erster Linie um Barclays “Erklärung”.

    Nachdem Deanna Reg im Zehn Vorne einen Korb gegeben hat, verlässt sie den Raum, lächelt jedoch. Ich interpretiere ihr Lächeln so, dass ihr die Avancen durchaus gefallen haben. Dazu passt auch ihre Weigerung, Will zu sagen, ob sie das Angebot angenommen hat. Ich finde diese Interaktion der Charaktere sehr cool, weil er glaubwürdig ist. Will wird nach langer Zeit endlich wieder mal herausgefordert und bekommt von Deanna nur eine selbstbewusste, ambivalente Antwort.

    An der Szene mit dem Einstein-Hologramm stört mich weniger Regs Verhalten, sondern eher Geordis Reaktion. Reg hat mit Albert Einstein eine “Nacht” lang über die Allgemeine Relativitätstheorie diskutiert. Grob gesagt beschreibt die allgemeine Relativitätstheorie die Krümmung der vierdimensionalen Raumzeit durch große Massen von Himmelskörpern (Planeten, Sterne, Galaxien usw.), was sich in Form von Gravitationsfeldern auswirkt. Diese Gravitationsfelder sorgen dafür, dass sich die Massen anziehen und wir auf der Erdoberfläche stehen. Der Warpantrieb krümmt die lokale Raumzeit in der Umgebung eines Raumschiffes, wodurch eine geschlossene Raumzeitblase (“Warpblase”) entsteht und das Schiff mit scheinbarer Überlichtgeschwindigkeit fliegt. In Wirklichkeit steht das Raumschiff still und die Raumzeit um das Schiff herum wird verzerrt (“warped”). Der mexikanische theoretische Physiker Miguel Alcubierre stellte 1994 eine Idee vor, in der er Einsteins Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie benutzte, um ein theoretisches Antriebssystem für Raumschiffe zu beschreiben. Dieses Antriebssystem funktioniert ähnlich wie der Warpantrieb und wird nach seinem “Erfinder” als “Alcubierre Drive” bzw. “Alcubierre-Antrieb” bezeichnet.

    Die Ingenieure an Bord der Enterprise-D müssen ihr Antriebssystem komplett verstehen und mit komplizierten mathematischen Gleichungen beschreiben können, ansonsten wird’s nix mit dem überlichtschnellen Reisen. Geordi versucht ja nicht, im fünften Gang, mit angezogener Handbremse und leerem Tank bergauf anzufahren, weil er genau weiß, wie seine Maschinen funktionieren! Welche Gleichungen benutzt er denn, um den Antrieb zu beschreiben, wenn nicht die Relativitätstheorie? Ist das etwa eine einfache Dreisatzrechnung wie bei uns in der dritten Klasse? Ich hatte erwartet, dass die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie in der Föderation zum Physikunterricht gehören und jede Schülerin und jeder Schüler sich damit auseinandersetzt. Immerhin gehört es für weiterführende Schulen schon heute zum Unterrichtsstoff. Das Allgemeinwissen hat sich ja im Laufe der Jahrhunderte tatsächlich enorm erweitert. Für uns sind heute Zusammenhänge ganz selbstverständlich, die für die Menschen des Mittelalters oder der frühen Neuzeit noch unvorstellbar waren. Ähnlich müsste sich das Allgemeinwissen von heute bis ins 24. Jahrhundert weiterentwickeln. Wesley wusste bei seiner ersten Aufnahmeprüfung zur Sternenflottenakademie trotz seiner Jugend schon eine Menge über Raumschiffe, Antimaterie, Mathematik usw., was zum Bestehen der Prüfung auch nötig ist. Darum kapiere ich nicht, wieso die Relativitätstheorie für Geordi “viel zu hoch” ist. Hat er seine Abiturprüfung im Fach Physik vom Nachbarn abgeschrieben oder wie darf ich das auffassen? Wie konnte er Ingenieur werden und am Warpantrieb rumbasteln? Was lernen die Ingenieure an der Sternenflottenakademie, wenn ihnen die Relativitätstheorie zu schwierig ist? Versteht Geordi überhaupt, was er im Maschinenraum den ganzen Tag tut oder drückt er nur irgendwelche Knöpfe und wartet darauf, das etwas geschieht? Eigentlich müsste die Relativitätstheorie für Geordi und jeden anderen Ingenieur an Bord der Enterprise-D eine kleine Fingerübung zum Aufwärmen sein! Die mündliche Prüfung der angehenden Ingenieure kann ich mir z.B. gut als ein Seminar oder Kolloquium mit Professoren zum Thema “Relativitätstheorie” vorstellen. Könnte Dr. Leah Brahms, die wir erst vor einigen Wochen wiedergesehen haben, auch so wenig mit der Relativitätstheorie anfangen wie Geordi?

    Barclays Entwicklung erinnert mich teilweise an Gary Mitchell in “Die Spitze des Eisbergs”. Der glaubte, sich in einen Gott zu verwandeln und bald die Herrschaft über das Universum zu übernehmen. Im Gegensatz zu Mitchell verletzt oder tötet Barclay aber niemanden. Der Grusel, denn man als Zuschauer dabei empfindet, ist gewollt und erfüllt seinen Zweck. Zu B-Horrorfilmen, in denen ein “Evil Mind” Amok läuft und sich mit einem Computer verbindet, fällt mir spontan “Der Rasenmähermann” von 1992 mit Jeff Fahey und Pierce Brosnan ein. Er wurde von einer ziemlich abgedrehten Kurzgeschichte meines Lieblingsautors Stephen King inspiriert und ist nicht weniger abgedreht als diese Story. Empfehlen kann ich ihn nicht, aber wer mit schrecklichen Computeranimationen der frühen 90iger klar kommt und Lust auf einen trashigen SciFi-Film hat, darf gerne mal reinschauen.

    Gegen Ende kommt die Szene, in der Reg von Deanna auf dem Holodeck besucht wird. Deanna redet mit ihm, und möchte das Holodeck danach wieder verlassen. Kurz vorher dreht sie sich aber noch einmal um und sagt zu Reg: “Der Captain wird alles tun, was in seiner Macht steht, um Sie aufzuhalten.” und verlässt das Holodeck. Danach verstärkt Reg seine Bemühungen und sichert sich gegen alle möglichen Angriffe ab.

    Deanna hätte ihren letzten Satz einfach weglassen sollen! Dabei hat sie davor und danach so schöne Momente mit Reg… das ist echt ärgerlich! Deanna Troi muss wieder mal herhalten, um die Story noch ein wenig dramatischer zu machen… 😩 Barclay hätte auch auf andere Weise herausfinden können, was seine Kollegen vorhaben.

    Ja, die Zyterianer bleiben rätselhaft. Das ist aber in der “DNA” von Star Trek begründet und findet sich in ganz vielen Episoden. Auch die erwähnte Folge “Mission ohne Gedächtnis” aus der 5. Staffel stellt Außerirdische vor, über die der Zuschauer nur wenig mehr erfährt als dass sie existieren. Und dann gibt es noch das unglaublich wichtige Volk der Tzenkethi! Wie bitte, ihr habt noch nie von den Tzenkethi gehört?! Ben Sisko wäre enttäuscht, wenn er das wüsste! 😉 Es stört mich auch, aber irgendwie fällt es mir schwer, dass zu kritisieren. Mit derselben Argumentation müsste ich an diversen Folgen Kritik üben, die mir gut oder sehr gut gefallen. Es ist eben Star Trek.

    Reginald Barclay ist zwar “nur” ein Nebencharakter, hat aber wie ich finde bis jetzt trotzdem schon mehr Entwicklung erlebt als so mancher Hauptcharakter, z.B. Geordi La Forge. Er begann als schüchterner, ängstlicher Typ, der sich in seine abartigen Holodeck-Fantasiewelten flüchtete und war in dieser Folge ein egozentrischer, überheblicher, von Aliens beeinflusster Hyper-Intelligenzbolzen, der die Kontrolle über das Schiff an sich riss. Barclay hat also nicht immer die besten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen gezeigt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag ihn trotzdem! 😁 Star Trek hat die Eigenschaft, manche Nebenfiguren besser und interessanter zu schreiben als die Hauptfiguren. Lwaxana haben wir auch schon länger nicht mehr gesehen, aber bald bekommt sie eine wie ich finde gute Folge.

    Insgesamt stimme ich eurer Bewertung zu, vergebe jedoch einen Punkt mehr und lande bei 8 von 10 Nervenscaninterfaces.

    LL&P 🖖 👋
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      vielen Dank für deine etwas andere Sichtweise der Folge. Ich habe deine Ausführungen sehr genossen.
      2Voq, ich glaube du hast recht, es ist der Rasenmähermann! Wie lang das her ist – wo blieb nur die Zeit!
      Deine Ausführungen zum Thema Relativitätstheorie und Barclay bzw. Geordi muss ich mich anschließen – da hast du völlig recht.

      Vielen Dank
      LG
      Chris (der zwar gern mehr schreiben würde aber die Hitze brennt jeden Gedanken aus dem Sinn)

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