Folge 120 – TNG – Datas Tag

3 Gedanken zu „Folge 120 – TNG – Datas Tag“

  1. Kommentar zu ‘Tilly vs. Spock’ – ‘Datas Tag’

    Hi Anja, Hi Chris!

    Braucht Data einen eigenen Podcast? Sein Hals hat schon einen! 😄

    In der Literatur gibt es den “Briefroman”. Kann man “Datas Tag” als “Briefepisode” bezeichnen?

    Ich werde nicht um den heißen Brei herumreden: ‘Datas Tag’ ist eine wunderschöne Folge und zählt für mich zu den Besten der Serie. Hier reiht sich wirklich eine großartige Szene an die Nächste! Das fängt schon ganz am Anfang an. Wir erfahren dort nämlich, dass Data Briefe an Bruce Maddox schreibt. Das ist toll, weil es erstens die Story von ‘Wem gehört Data?’ weitererzählt und zweitens Datas Nachsichtigkeit unter Beweis stellt. Maddox wollte ihn auseinandernehmen und nahm dabei seinen Tod in Kauf, aber Data hegt keinen Groll gegen ihn, im Gegenteil: er ist an seiner Arbeit interessiert und möchte ihm helfen. Ein weiterer Grund für meine Begeisterung ist die Darstellung von alltäglichen Abläufen an Bord der Enterprise. Ich sehe einen Schichtwechsel, Data übergibt das Kommando an Riker und man bereitet sich auf eine bevorstehende Hochzeit vor. In dem ‘fliegenden Dorf’ mit über eintausend Bewohnern, das wir ‘Enterprise’ nennen, leben und arbeiten Charaktere, die ihre individuellen Hintergrundgeschichten, Eigenschaften und Verhaltensweisen haben. In dieser Episode sehen wir den Alltag eines Besatzungsmitgliedes und seine Interaktion mit Freunden und Kollegen. Verdeutlicht wird das durch Datas Logbucheintrag:
    ‘Second Officers personal log, supplemental. This is the one thousand five hundred fiftieth day since the Enterprise was commissioned. Besides the arrival of Ambassador T’Pel, other events occurring today include four birthdays, two personnel transfers, a celebration of the Hindu Festival of Lights, two chess tournaments, one secondary school play, and four promotions. Overall, an ordinary day.’
    Data führt einen inneren Monolog und teilt uns Zuschauern damit seine Gedanken mit, ohne das die anderen Charaktere etwas davon erfahren. Damit tut er das, was wir Menschen tagtäglich tun und wird dadurch – menschlicher. Toll!

    Danach gibt es viele schöne Alltagsszenen, die einfach neben den täglichen Arbeiten an Bord ablaufen: Data und Geordi sitzen beim Friseur und unterhalten sich, Data sucht für Miles und Keiko ein Geschenk aus und bittet Worf um Hilfe und er möchte von Beverly tanzen lernen. Ich kann mir richtig gut vorstellen, dass so ein ganz normaler Tag an Bord der Enterprise aussieht. Das trägt meiner Meinung nach wesentlich zum Worldbuilding bei, denn das Leben eines Menschen besteht auch zum überwiegenden Teil aus Alltag, Routinearbeiten, wiederkehrenden Abläufen, Interaktion mit Personen, die man schon längere Zeit kennt usw. Kein Mensch erlebt ständig Abenteuer und in einer Serie würde das schnell langweilig wirken. So kann ich mich aber mit den Charakteren identifizieren, weil sie genau wie ich einen Alltag haben. Das gab es in früheren Episoden schon mit den Pokerrunden und hier wird es verfestigt. Ich weiß jetzt, wie sich Picard & Co. in Extremsituationen (Beispiel: “In den Händen der Borg”) verhalten, aber ich kenne eben auch ihren Alltag. Super!

    Besonders schön finde ich hier Datas Zitate über seine Freunde:
    ‘My friend Chief O’Brien often says that above all else, he wants to make Keiko happy.’
    ‘I consider Geordi to be my best friend.’
    ‘I find Lieutenant Worf to be what is called a kindred spirit. We were both orphans rescued by Starfleet officers. In many ways, we are both still outsiders in human society.’
    ‘I am rarely in need of Doctor Beverly Crusher’s professional services as my bio-mechanical maintenance programme is self sufficient. But I often observe as she practices medicine on others and have learned a great deal about human interaction from her.’
    ‘In many ways, Deanna Troi is the friend that I understand the least.’
    ‘Commander Riker’s easy going manner and sense of humour is fascinating to me.’

    Zu Keiko sagt er:
    ‘I am your friend.’

    Data hat also viele Freunde an Bord der Enterprise, nicht nur Picard! Weil es so gut zur Folge passt, muss ich an dieser Stelle einen weiteren Rant gegen PICARD loswerden. Da wird nämlich so getan, als ob Data sein Leben nur geopfert hätte, um Picard zu retten. DAS IST GROSSER BOCKMIST! Data opferte in “Nemesis” sein Leben, um die gesamte Crew der Enterprise und die Erde zu retten, ihr Vollpfosten im Writer’s Room (Patrick Stewart sitzt da wohl auch drin, aber das macht es nicht besser.)! Die nächste Frage ist: Wenn Data viele Freunde hatte (‘I consider Geordi to be my best friend.’) und eine frühere Version seines Bewusstseins in der Quantensimulation auf Coppelius weiterlebt, wieso erkundigt er sich bei Jean-Luc nicht mal nach seinen Freunden? In der Szene mit Jean-Luc am Ende von “Et in Arcadia Ego, Teil 2” werden weder Geordi noch Bill, Deanna, Miles, Keiko, Beverly, Worf oder Wesley erwähnt. Wieso? Wenn Data sein Leben opfert, um diese Personen zu retten, dann liegt ihm doch nichts mehr am Herzen als ihr Wohlergehen, oder? Warum wird das unterschlagen? Spielt das plötzlich keine Rolle mehr, weil die Serie “Star Trek: Picard” heißt und darum alles auf Picard fixiert sein muss?

    Bemerkenswert ist das Zitat von Sir Arthur Conan Doyle:
    ‘I have found Holmes’ methodology of deductive reasoning to be quite useful. One of his adages is that once you have eliminated the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth.’
    Dieses Zitat wird auch in einem Kinofilm von einem Charakter benutzt, der Data sehr ähnlich ist. Es stellt eine schöne Verbindung zwischen den Crews aus verschiedenen Jahrhunderten auf verschiedenen Raumschiffen dar.

    In ‘Datas Tag’ passiert nicht viel. Es gibt keinen Angriff der Borg, keinen Ausbruch einer Epidemie und die Enterprise gerät nicht in Gefahr. Die Crew entdeckt keine neue Zivilisation und wird nicht mit einem schwierigen ethischen Dilemma konfrontiert. Es gibt keine Action oder Szenen mit viel CGI. Die Story konzentriert sich auf die Charaktere, die sich und ihre Beziehungen weiterentwickeln. Für solche Episoden mag ich Star Trek!

    In “Datas Tag” erkenne ich drei verschiedene Plots:
    A-Plot: Data schickt Bruce Maddox einen Brief.
    B-Plot: Miles und Keiko heiraten.
    C-Plot: Eine romulanische Spionin kommt als Vulkanierin getarnt auf die Enterprise.
    Den A- und B-Plot finde ich toll, aber auf den C-Plot hätte ich gut verzichten können. T’Pel wäre mir als nervige vulkanische Diplomatin lieber gewesen. Das hätte der Beziehung zwischen Menschen und Vulkaniern eine interessante neue Ebene hinzugefügt. Weil sie sich als romulanische Spionin entpuppt, stehen die Offiziere der Enterprise wie Idioten da, die sich leicht hinter die Fichte führen lassen. Ich verstehe auch nicht, warum die Romulaner ihren Betrug so einfach zugeben. An ihrer Stelle hätte ich die Situation ausgenutzt und es auf einen diplomatischen Konflikt ankommen lassen. Der eigenen Bevölkerung werden anschließend Propagandalügen über die böse Föderation erzählt, um sie weiter anzustacheln. Gleichzeitig kann der Tal Shiar Seloks gesammelte Infos auswerten. Die Föderation möchte sowieso keinen Krieg riskieren und wird darum auf Deeskalation setzen. Dieses Verhalten würde meiner Meinung nach besser zu den verschlagenen Romulanern passen. Deswegen bekommt die Folge von mir “nur” neun von zehn möglichen Subraum-Briefen.

    T’Pel ist übrigens auch der Name von Tuvoks Ehefrau.

    Ja klar, TNG hatte in der 4. Staffel seinen eigenen Vibe gefunden und solche Episoden funktionieren auch erst, wenn die Charaktere und ihre Beziehungen genügend ausgearbeitet sind. DS9 hat aber durchaus auch sehr witzige Episoden, die ich mir immer und immer wieder mit großem Genuss anschaue. Mir fallen spotan “Kleine, grüne Männchen”, “Immer die Last mit den Tribbles”, “Der glorreiche Ferengi”, “Wer trauert um Morn?” und “Badda-Bing, Badda-Bang” ein. DS9 ist viel schwermütiger und getragener als TNG, aber ich finde, dass gerade deswegen die Comedy-Folgen so stark ins Gewicht fallen. Ich schmeiß mich jedesmal weg, wenn “Brunt, FCA” auf die Station kommt oder Odo seine Kabbeleien mit Quark austrägt.

    Die Darstellerinnen der Duras-Schwestern verwechsle ich auch dauernd.

    Zu “The Wounded / Der Rachefeldzug” schreibe ich nur, dass es sich meiner Meinung nach lohnt, die Folge im englischen Originalton zu schauen.

    Ich möchte euch den YouTube-Kanal “Die Media-Piraten” empfehlen. Dort gibt es ein Interview mit Michael Pan:
    https://www.youtube.com/watch?v=ojO5CybtY9M
    … und vielen anderen deutschen Synchronsprechern, u.a. auch viele Sprecher von Star Trek-Darstellern, z.B. Ernst Meincke (Patrick Stewart), Detlef Bierstedt (Jonathan Frakes), Charles Rettinghaus (LeVar Burton), Sven Plate (Wil Wheaton), Liana Rudolph (Nana Visitor), Bodo Wolf (Rene Auberjonois), Frank-Otto Schenk (Robert Beltran), Arianna Borbach (Roxanne Dawson), Stefan Staudinger (Robert Picardo), Anke Reitzenstein (Jeri Ryan), Frank Röth (Dominic Keating), Matthias Klie (Jason Isaacs), Sascha Rotermund (Anson Mount) und Leonhard Mahlich (Santiago Christobal).

    LL&P 🖖 👋
    2Voq

    1. Hi 2Voq,

      Vielen Dank für deine Ansichten zu der Folge. Es hat große Freude gemacht, sich das durchzulesen und deine Ergänzungen zu Datas und dem Alltag allgemein, finde ich großartig. Ich stimme in jedem Punkt zu. Deinen Punktabzug finde ich absolut nachvollziehbar. Man darf bei derart Gold schon mal kritisch sein, Star Trek verkraftet das schon, denn es zeigt hier welche Stärken es hat. Ich sage es ja immer wieder gern: Wenn eine Serie, gerade eine Sci-Fi-Serie, ordentlich Worldbuilding betrieben hat und seine Charaktere echt gemacht hat und sie mit Leben erfüllt sind, dann sind es besonders diese menschelnden Geschichten, die mich in den Bann ziehen und nicht der schnöde Eye-Candy mit Action, Effekten und so. Dies sollte immer nur ein Beigeschmack sein, um eine Story zu unterstützen, aber niemals das Zentrum. Mehr von sowas!

      Ich gebe dir in punkto DS9 absolut recht, erst hier scheinen gerade die leichten Geschichten verdient zu sein! “The Magnificent Ferengi” finde ich auch großartig, gerade weil es ein so gut funktionierendes und launiges Ensemble-Stück ist mit einem ebenso gut aufgelegten und launigen Gaststar! Ich mag das, auch wenn die Episode hier und da schlecht bewertet wurde.
      Danke sehr für den Link. Wird ganz gute Arbeit sein, aber das sieht sehr gut aus und ich lerne gerne die Stimmen dahinter kennen. Letztes Jahr auf der FedCon haben wir Benjamin Stüwe kennengelernt und spätestens seitdem ist mir das Thema Synchronisation wieder sehr nah. Trotzdessen ist die O-Ton-Fassung nahezu immer vorzuziehen.
      Ich verneige mich voller Respekt vor der deutschen Synchroarbeit, auch wenn wir mal bisschen meckern. Der meiste Rant geht eh in Richtung der dämlichen deutschen Titel, nicht zu Lasten der Sprecher.
      Und auch deine erneute Kritik an PICARD teile ich da sehr – ich bin so sehr gespannt darauf, mal irgendwann “New Trek” mit Anja durchzusprechen. Ich habe so die Befürchtung, dass es sogar noch schlechter wegkommt nach so einem komplett Rewatch, wie wir es hier mit dem Podcast machen, als mit gewissem Abstand zum Rest-Franchise, wenn man vielleicht nicht alle kleinen Details im Kopf hat (Böse Zungen würde behaupten, dass es die Hoffnung der Writer ist, dass keiner so sehr auf die Details achtet sondern sich von teils günstigen Emotionen und High-Class-Effekten berieseln lässt).

      Wie gesagt, abermals danke dir und bis neulich

      LG
      Chris

      1. Hi Chris!

        Mein Problem mit Star Trek seit 2009 und besonders seit 2017 ist, dass ich mich davon teilweise gut unterhalten lassen kann, ich aber nicht darüber nachdenken darf. Bei Datas Tod war ich zuerst der Meinung, die Szene wäre trotz des schwachen Staffelfinales eigentlich ganz gut. Dann versuchte ich, darin einen Sinn zu entdecken, der mir beim ersten Anschauen vielleicht entgangen ist. Jetzt weiß ich aber, dass sie nicht gut ist, weil sie Datas Geschichte und seine Freundschaften aus TNG total ignoriert. Und Data ist leider endgültig tot! Ich frage mich, ob sein Tod in der Serie überhaupt noch eine Rolle spielen wird und fürchte, seine Story ist zusammen mit dem Synth Ban und dem Zhat Vash abgeschlossen. Auch jetzt schon sind DISCOVERY und PICARD für mich “Fremdkörper”, die nicht wirklich zu diesem Universum gehören. Das ist nur irgendwas, was sich jemand mal ausgedacht hat, wie schlechte Fan Fiction, man muss es nicht ernst nehmen. Ich finde es sehr schade, so was über Star Trek-Serien zu schreiben, bin aber mittlerweile resigniert.

        LG
        2Voq

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.