Folge 119 – TNG – Das kosmische Band

3 Gedanken zu „Folge 119 – TNG – Das kosmische Band“

  1. Hallo Anja, Hallo Chris!

    Worfs Gefährtin K’Ehleyr zerbrach in ihrer ersten Folge den Glastisch in ihrem Quartier. B’Elanna macht das auch gern, aber bei VOYAGER seid ihr ja noch nicht.

    Ein blinder Mensch kann durchaus sagen “So etwas habe ich schon mal gesehen.”, so wie gehörlose Menschen sagen “Ich habe davon gehört.” und querschnittsgelähmte Menschen sagen “Ich gehe dorthin.”. Diesen Menschen ist vollkommen klar, dass sie nicht sehen, hören oder laufen können. Sie sind aber Teil einer Gesellschaft, in der sie mit nicht behinderten Personen zusammenleben und -arbeiten. Darum möchten sie keine anderen Formulierungen oder Ausdrücke verwenden, sondern einfach genauso sprechen wie alle Anderen in ihrer Umgebung. Ich höre mir den Podcast “Planet Trek FM” von Björn Sülter an. Sein “Copilot” heißt Moritz Wohlfahrt, ist blind und sagt ganz selbstverständlich “Ich habe mir das Staffelfinale von PICARD angesehen.”. Tanja aka TaoTao ist Gebärdendolmetscherin und war bei euren Kollegen von “Trek am Dienstag” bei der Besprechung der Folge “Loud as a Whisper / Der stumme Vermittler” zu Gast:
    https://trekamdienstag.de/2019/11/19/135-loud-as-a-whisper-tng-2-05/
    Soweit ich mich erinnere, spricht sie dieses Thema dort auch an. Ich unterstelle euch keine Absicht und mir selbst ist dieses Thema auch erst vor Kurzem wirklich bewusst geworden. Seitdem finde ich es aber wichtig, darauf zu achten. Ich bin kein Betroffener im Sinne einer Behinderung, halte es jedoch für erwähnenswert.

    Zur Diskussion “The Orville vs. Star Trek”:
    Ich sehe es genauso wie ihr. Bisher habe ich leider noch keinen Zugang zu “The Orville” gefunden, weil mir der Humor von Seth McFarlane einfach oft nicht zusagt. Ein ähnliches Problem hatte ich schon bei “Family Guy”, wo mir nur ganz wenige Episoden gefallen. Zwei Charaktere (ich glaube, es sind der Chefingenieur und der Pilot) treiben blöde Scherze mit Yaphit, die ich nicht lustig oder unterhaltsam, sondern einfach nur kindisch und nervig finde. Irgendwo habe ich gehört, dass die Serie als Comedy-Serie gepitcht wurde und darum gibt es einen Pimmelwitz nach dem anderen. Dazu kommen noch die vielen Anleihen an Star Trek, die mich jedes Mal daran erinnern, woher ich diese Story in besserer Form ohne McFarlane-Humor kenne. Vielleicht starte ich noch mal einen Versuch mit “The Orville”. Seth McFarlane ist alles Mögliche von Sänger und Comedian bis Produzent, aber mit Sicherheit kein guter Schauspieler.

    Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es sich beim Dialog zwischen Deanna und Guinan im Zehn Vorne um einen Meta-Kommentar handelt. Deanna Troi ist zwar offiziell die “Beraterin des Captains”, aber in Schlüsselepisoden wie “Wem gehört Data?”, “Die alte Enterprise” und “In den Händen der Borg” lies sich Picard nicht von ihr beraten, sondern von seiner Freundin und Barkeeperin Guinan. Die Autoren wissen ja, was sie schreiben und obwohl das Internet damals noch nicht denselben Stellenwert hatte wie heute kannten sie bestimmt ungefähr die Reaktionen der Zuschauer.

    Die zweidimensionalen Wesen finde ich interessant, aber sie werden viel zu wenig erklärt. Genau wie ihr frage ich mich, wie diese Wesen überhaupt existieren können. Woraus bestehen sie eigentlich? Materie besteht aus Atomen, Molekülen oder Ionen und ist grundsätzlich dreidimensional, weil jedes Teilchen in drei Raumdimensionen eine Ausdehnung hat. Wenn diese Wesen zweidimensional sind, können sie nicht aus Materie bestehen! Auch das kosmische Band finde ich seltsam. Insgesamt ist es ein merkwürdiges Phänomen, das es nicht gebraucht hätte. Vielleicht wollten die Autoren wieder mal ein SciFi-Konzept einbauen und entschieden sich darum für die 2D-Wesen und das kosmische Band.

    Deanna Troi definiert sich durch ihre halb betazoidische und halb menschliche Herkunft, ihre empathischen Fähigkeiten, ihre Position als Beraterin, ihre Mutter Lwaxana und ihre für meine Begriffe sehr seltsame “On-Off-Beziehung” zu Bill Riker. Jetzt verliert sie ihre Fähigkeiten und möchte deshalb schon nach zwei Tagen kündigen, wodurch sie ihre Karriere aufgeben und wahrscheinlich die Enterprise verlassen müsste und Bill spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Mir ist das für eine Folge zu viel und es geht v.a. gegen Ende sehr schnell. Bill wirft ihr ein “aristokratisches” Verhalten vor, aber am Ende vertragen sie sich dann wieder. Ich kann nicht nachvollziehen, wie es zu diesen Wandlungen kommt.

    Ich finde, Marina Sirtis hat ihre Rolle gut gespielt. Im Vergleich mit anderen Charakteren steht Deanna Troi aber relativ schlecht dar. Mein liebstes Gegenbeispiel ist Data. “Datas Nachkomme” ist eine Einzelfolge, die soweit ich weiß nie wieder erwähnt wird. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich Data dort dauerhaft weiterentwickelt hat und darum bleibt sie mir im Gedächtnis. Über “Datas Tag” werden wir uns nächste Woche ausführlich unterhalten und da geht es mir ähnlich. Über Deanna kann ich das so leider nicht sagen. Sie bleibt über die ganze Serie hinweg mehr oder weniger derselbe Charakter. Sie steht ab und zu im Mittelpunkt und hat mehr zu tun, aber diese Episoden sind rar gesäht.

    Grundsätzlich ist es gut, dass sich Star Trek mit dem Thema Behinderung auseinandersetzt. In der Episode “Der stumme Vermittler” war das schon der Fall und hier nehmen sich die Autoren wieder dieses Themas an. Bei DS9 erinnere ich mich an die Folge “Das ‘Melora’-Problem”, in der ein “behinderter” Charakter auf die Station kommt. Insgesamt sind das gute Folgen, die aber im Vergleich zu anderen meiner Meinung nach weit in den Hintergrund treten. Obwohl das Thema viel Potential für starke Geschichten bietet, haben sie nicht die Tiefe von Klassikern wie “Griff in die Geschichte” und “Wem gehört Data?”. Geordi LaForge ist die gesamte Serie hinweg blind (wenn man von der kurzen Szene in “Rikers Versuchung” absieht). Dennoch gibt es keinen Story Arc, der erzählt, wie er trotz seiner Behinderung als Steuermann und Chefingenieur arbeiten kann. Er hat einfach seinen Visor und damit ist die Sache erledigt. Allein damit wurde schon eine Menge Potential verschenkt. Wenn sein Charakter etwas weiter ausgebaut worden wäre, hätte man vielleicht keine “Deanna verliert ihre empathischen Fähigkeiten”-Episode gebraucht, um über Behinderungen zu sprechen.

    Ich freue mich, dass euch beiden “Das kosmische Band” so gut gefällt. Ich kann aber weit weniger aus der Episode herausziehen als ihr und darum ist sie für mich nur Mittelmaß.

    LL&P
    2Voq

    1. Hallo 2Voq,

      erstmal vielen Dank für den interessanten Link zu TaD. Gute Beiträge von TaoTao, das gibt der ganzen Thematik viel mehr Tiefe und auch technisch ein interessantes Konzept, einen Zuhörer quasi in den Podcast miteinzubinden. Hier trifft es sich besonders gut!
      Bei dem Thema (und bei einigen anderen selbstverständlich auch) muss man echt aufpassen, dass man sich sprachlich keine Fallstricke legt und stolpert, auch wenn wir es nicht böse meinen. WIr hoffen bei solchen Themen sehr, niemanden zu beleidigen, sei es durch zu unbedachte “dumme” Aussagen oder viel zu überdachte Aussagen. Auch bei dem Versuch, sich ganz tolerant und “flottig” zu geben, kann man ungeschickterweise eine Beleidigung verstecken. Oder besser gesagt, aussagen, so versteckt ist es dann ja nicht. Menschen, die keine Behinderungen (ein schrecklich wertendes Wort, wenn man das mal so sieht) haben, können nur schwer nachvollziehen, wie sich das Leben gestaltet; ganz besonders bei Menschen, die eine Beeinträchtigung im Laufe ihres Lebens erwerben, so wie Troi in dieser Folge. Die Folge ist da sicherlich auch zu ambitioniert eine Charakterstudie für Behinderungen zu erzählen, in einer 45-minütigen Folge, die selbst nur wenige Tage dauert. Man kann nun wirklich nicht erwarten, dass Troi mal so einfach durch Gespräche über ihren Verlust hinwegkommt, manche Menschen schaffen das mitunter nie.
      Aber zum Thema nochmal: Jeder wird es schon mal erlebt haben, dass er/sie versucht, nicht auf etwas zu achten, dass er/sie am Anderen die ganze Zeit bemerkt – das fehlende Bein, die Blindheit, der Rollstuhl. Das funktioniert nicht, fällt definitiv auf und muss gar nicht böse gemeint sein um eine unangenehme Situation für alle Beteiligten zu schaffen. Ich hatte auch viel Kontakt zu Menschen mit unterschiedlichsten Alltagseinschränkungen durch meine Arbeit im Krankenhaus und die Zeit in der Ausbildung davor. Ich erinnere mich noch genau, wie es war, als ich mit 17 Jahren einen Jungen etwa gleichen Alters betreuen sollte, der eine schwere körperliche Behinderung hatte und ich damals unter Stress geriet, weil ich Berührungsängste hatte. Sollte er es bemerkt haben, hat er sich es nicht anmerken lassen. Was ich bemerkenswert fand, war die Erkenntnis, dass es nicht darauf ankommt sein Verhalten, seine Wortwahl oder die Blicke zu kontrollieren. Ich lernte schnell die Person dahinter kennen und mich mit ihm zu unterhalten gefiel mir richtig gut. Seine körperlichen Bedürfnisse zu erfüllen, Toilettengang, Körperpflege, Vitalparameter messen oder Nahrungsaufnahme geschah relativ schnell nebenbei, ohne dass es einen zentralen Stellenwert in unserem Kontakt einnahm. Ich bin sicher, er konnte sich dann genauso gut entspannen wie ich und ich lernte viel von ihm.
      Deshalb hoffe ich sehr, dass wir, auch wenn wir vielleicht den Ton nicht richtig getroffen haben sollten, im Kern als “flottig” rüberkommen 😉 Ich selbst möchte jedenfalls weder intolerant noch übertolerant behandelt werden, sollte ich mal in die Situation kommen, eine körperliche Einschränkung oder den Verlust eines Sinns erleben zu müssen.

      LG
      Chris

      1. Hi Chris!

        Ich weiß, dass ihr es nicht böse gemeint habt. Ich habe das ja bis vor Kurzem auch nicht richtig wahrgenommen. Man muss halt echt aufpassen, weil schon eine unbewusste Äußerung schlecht ankommen kann. Oder es ist einem schlichtweg egal, aber diesen Weg möchte ich nicht gehen.

        Die Problematik mit Behinderungen finde ich v.a. dann schwierig, wenn sich die betroffenen Patienten nicht oder nicht mehr gut mitteilen können, z.B. wegen einer schweren Demenz. Da frage ich mich, was die “Würde des Menschen”, die im Art. 1 GG steht, eigentlich bedeutet. Nur am Leben zu bleiben kann ja nicht der Sinn der Sache sein. Wann genau ist die Würde des Menschen gewährleistet? Ist das überhaupt pauschal definierbar? Wer legt das fest? Ich möchte hier keine Ethik-Diskussion starten, aber solche Fragen tauchen dabei auf.

        Kleines Update zu “The Walking Dead”: Ich habe mir das Finale der 4. Staffel angesehen und Mary kam mir irgendwie bekannt vor. Nach dem Anhalten und ein paar Sekunden erfolglosen Überlegens griff ich auf die “X-Ray”-Funktion von Prime Video zurück. Danach dachte ich mir: Darauf wärst du auch ohne Hilfe gekommen! In der 1. Folge der 5. Staffel fiel mir dann auf, was für eine kranke Scheiße ich da gerade sehe, aber na ja. Die Serie ist nicht umsonst altersbeschränkt. Sasha mag ich übrigens! Michael Burnham ist für mich ein Problem, aber das liegt nicht an der Darstellerin.

        LG
        2Voq

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