Folge 087 – Star Trek II – Der Zorn des Khan

Was erhält man wenn man Chekovs leichte Blase mit schlechtem Wetter kombiniert? Einen rachsüchtigen Mann, der einen anderen, in die Jahre gekommenen Mann jagt, dessen bester Freund gleich zweimal sterben muss. Viel Drama, Action und Kurzweil erwartet uns und euch bei unserer Besprechung von Star Trek 2 – der Zorn des Ahab äh… Khan.

Viel Spaß!!

3 Gedanken zu „Folge 087 – Star Trek II – Der Zorn des Khan“

  1. Hi Anja und Chris!

    Wow, fast drei Stunden Diskussion zu “Der Zorn des Khan”! 😉 Chekov musste einen Ohrwurm bekommen, damit er schreien konnte, das ist doch logisch! Chekovs Schreie sind legendär und dürfen keinesfalls vernachlässigt werden.

    Ihr habt schon gesagt, dass die Einführung mit dem explodierten Planeten, die die Umlaufbahn von Ceti Alpha V verschob, nicht astrein ist. Auch Khans Aussage, die Ceti-Aale wären die letzte einheimische Lebensform, kann ich nicht glauben. Diese Tiere müssen sich doch ernähren! Ja, Bakterien können Mineralien aufnehmen und als Nahrung nutzen, das dürfte bei den Ceti-Aalen aber nicht funktionieren. Die Klauen oder Mundwerkzeuge sehen außerdem richtig gefährlich aus, sie lecken damit bestimmt keine Mineralien von Steinen!
    Einen ähnlichen Aspekt sehen wir in der Zusammensetzung von Khans Crew. Er ist mit weitem Abstand der Älteste, alle anderen sind wie Joachim schätzungsweise Anfang 30. Die genetisch aufgewerteten Menschen, die sich mit ihm im Kälteschlaf an Bord der Botany Bay befanden, waren aber ungefähr so alt wie er! Sind die alle gestorben? Ich fände es seltsam, wenn Khan als einziger überlebt hätte.
    “Botany Bay… Botany Bay!” Warum haben sich Chekov und Tyrell nicht einfach hochbeamen lassen? Sie wurden eben nach unten gebeamt und man kann problemlos durch eine Schiffshülle beamen! Ein Kraftfeld oder etwas ähnliches, welches dies verhindern könnte, wird nicht erwähnt.
    Für mich sind das aber Nebenaspekte des Films, die nicht weiter ins Gewicht fallen.

    Wisst ihr, dass Judson Scott (der Schauspieler von Joachim) in einer TNG-Folge der 1. Staffel mitspielte? Er stellte in “Die Seuche” den Drogenhändler Sobi dar.

    Den Spruch “Das Wohl der Vielen wiegt schwerer als das Wohl der Wenigen oder des Einzelnen.” finde ich schwierig und kann ihm nicht zustimmen. Für mich ist es keine “pure Logik”, aber wir sollten uns darüber unterhalten! Der Satz bricht komplexe Probleme auf den bloßen Vergleich zweier Zahlen herunter. Was bedeutet eigentlich das Wort “Wohl” in diesem Zusammenhang? Bezieht es sich nur auf das reine Überleben oder steckt mehr dahinter? Worin besteht das “Wohl” von Leuten, die unter unwürdigen Bedingungen leben müssen oder unterdrückt werden? Ist ihr “Wohl” auch dann erfüllt, wenn sie täglich Zwangsarbeit leisten müssen, aber immerhin weiterleben dürfen? Wie ist das mit den “Vielen” und den “Wenigen”? Sind 1.000.000 Leute “Viele” und 999.999 “Wenige”? Was ist, wenn 70% der “Vielen” bald durch Alter und Krankheiten sterben werden, aber 90% der “Wenigen” jung und gesund sind? Was ist, wenn die Mehrheit der “Vielen” kriegsgeile Eroberer und Despoten sind, aber die meisten “Wenigen” mit anderen Völkern in Frieden leben wollen?

    Der Spruch funktioniert in diesem Film, weil am Ende ein passendes Szenario entsteht: Entweder ein Besatzungsmitglied opfert sich und rettet damit dem Rest das Leben oder ALLE sterben. Unter diesen Voraussetzungen besteht die einzige sinnvolle Entscheidung darin, dass ein qualifizierter Crewman diesen Weg geht. Data opfert sich am Ende von “Nemesis”, um die Erde zu retten, sein Opfer passt auch zu dieser Logik. Es gibt einige andere Episoden und Charaktere, auf die das ebenfalls zutrifft. Mir fallen aber auf der anderen Seite ganz viele Episoden und Charaktere ein, bei denen es ganz und gar nicht passt! Ihr habt “Wem gehört Data?” ja schon besprochen. Nehmen wir doch mal an, Maddox besäße genug Kenntnisse, um eine exakte Kopie von Data mit allen Eigenschaften und Fähigkeiten zu erzeugen. Er muss nur noch ein paar Details klären, was durch Datas Demontage erfolgen kann. Er hat ja im Prinzip recht: Wenn jedes Sternenflottenraumschiff einen Data an Bord hätte, könnten sie viel mehr erreichen als jetzt. Vielleicht würde dadurch eine Sklavenrasse geschaffen, aber das ist nebensächlich. Schließlich wiegt das Wohl der Vielen schwerer als das Wohl der Wenigen oder des Einzelnen! 5.000 Data-Kopien sind nun einmal Wenige im Vergleich zu Milliarden von Föderationsbürgern. In “Griff in die Geschichte” musste Edith Keeler sterben, damit die Föderation entstehen konnte. Diese Entscheidung ist aber nicht mit besagtem Spruch zu begründen und ich bin nicht einmal sicher, ob es die “richtige” Entscheidung war. Wenn Edith überlebt hätte, wäre die Geschichte der Menschheit anders verlaufen. Anja, du hast es bei dieser Folge schon gesagt: Wer entscheidet, was “richtig” ist? Bei einem anderen Geschichtsverlauf wäre die Menschheit für die nächsten Jahrhunderte oder Jahrtausende auf die Erde beschränkt geblieben. Wäre das wirklich so schlimm? Klar wäre es für die Menschen, die durch den Sieg der Nazis im 2. Weltkrieg sterben müssten, katastrophal. Im Zeitraum von Jahrhunderten und Jahrtausenden kann aber sehr viel passieren. Die Menschen hätten dann eben keine interstellare Raumfahrt betrieben und keine entsprechende Technik besessen. Das hätte aber auch Vorteile gehabt, weil die Menschen den gefährlichen, hochentwickelten Spezies der Galaxis dann nicht in die Quere gekommen wären. Die Borg wären vielleicht einmal an der Erde vorbeigeflogen, um sie kurz zu scannen und festzustellen, dass die Bewohner unterentwickelt und darum uninteressant sind. So wie die Geschichte aber verlief (aus der Sicht der Crew), besteht im 24. Jahrhundert nicht nur für die Menschen auf der Erde die Gefahr, dass sie von den Borg oder anderen Rassen geötet werden. Auch die Menschen auf den zahlreichen Kolonien, Raumstationen und Raumschiffen wären von einer so einer Invasion betroffen. Ist das “besser”?

    Wir könnten den vulkanischen Spruch “Das Wohl der Vielen wiegt schwerer als das Wohl der Wenigen oder des Einzelnen.” auf jede Star Trek-Story anwenden und prüfen, ob er zutrifft und die Crew danach handelt. Wenn sie das tun wollten, würden viele Entscheidungen anders verlaufen! Es ist eine zu einfache Antwort auf schwierige Fragen! Diesen Spruch darf man keinesfalls zu einem Leitmotiv erheben, sondern muss ihn im Kontext des Films betrachten.

    Die Szene, in der Scotty mit seinem schwer verletzten Neffen auf die Brücke kommt, wirkt auf mich übertrieben dramatisch. Wenn ich einen Neffen hätte, der gerade in Lebensgefahr schwebt, würde ich ihn auf dem schnellsten Weg ins nächste Krankenhaus bringen! Es soll natürlich dazu dienen, Kirk und mir den Ernst der Situation klar zu machen. Ich hätte die Szene so geschrieben:
    Nachdem sich die Enterprise und die Reliant erstmal wieder voneinander getrennt haben, verlangt Kirk einen Schadensbericht. Spock antwortet und zählt die zerstörten oder beschädigten Systeme auf. Dann teilt er ihm die ungefähre Zahl der Verwundeten mit. Der Captain sitzt zuerst reglos in seinem Stuhl. Dann gibt er die Befehle zur Reparatur der Maschinen, steht auf und begibt sich auf die Krankenstation. In den Korridoren begegnet er vielen verwundeten Besatzungsmitgliedern, die am Boden liegen oder sich gerade noch auf den Beinen halten können. In der Krankenstation selbst kommt ihm das Ausmaß der Katastrophe zu Bewusstsein. Hier beginnt die Szene mit dem sterbenden Preston.
    So wäre Kirk selbst auf die Idee gekommen, seine verwundeten Kameraden, für die er immer noch verantwortlich ist, zu besuchen. Im Film musste Scotty ihn sozusagen mit der Nase darauf stoßen.

    Das Projekt “Genesis” bzw. das Genesis-Gerät stellt für mich eine gewisse Schwierigkeit dar. Zunächst soll damit das Problem der “Überbevölkerung” gelöst werden. Das heißt: Die Menschheit oder die Föderation breitet sich aus und verbraucht zu viele Ressourcen. Darum wollen sie neue Lebensräume erschließen und neue Planeten besiedeln. Dabei kommt die Idee des “Terraformings” zum Einsatz, was ein spannendes Konzept ist. Ich finde es problematisch, dass man nicht zuerst an Dinge wie Nachhaltigkeit, Verringerung des Ressourcenverbrauchs oder Geburtenkontrolle in Betracht zieht. Stattdessen wird ein Gerät entwickelt, das als Massenvernichtungswaffe missbraucht werden kann. McCoy hat mit seiner Kritik absolut recht! Außerdem wird diese mit verheerender Zerstörungskraft ausgestattete Sonde nicht wie es sich gehört im Hochsicherheitstrakt eines schwerbewachten Forschungslabors gelagert, sondern auf der Regula-Raumstation, die man einfach so anfliegen kann. Die Sternenflotte hätte die Raumstation zu einem kompletten Flottenstützpunkt mit Schutzschilden, Verteidigungswaffen, patrouillierenden Raumschiffen und Sicherheitspersonal ausgebauen sollen! Wenn Khan, der die letzten 18 Jahre auf einem Planeten am Arsch der Galaxis verbracht hat, von Genesis erfahren kann, dann können es auch andere Feinde der Föderation, z.B. die Klingonen oder die Romulaner. Ich frage mich einfach, wie die Gedankengänge im Oberkommando hinsichtlich der Sicherheit des Genesis-Gerätes waren.
    Dazu kommt die abgefahrene Funktionsweise dieses Gerätes. Man feuert es auf einen terrestrischen Planeten ab, der keine Atmosphäre (und darum auch keine Biosphäre) hat und innerhalb von Sekunden entsteht ein blühendes Paradies?! Ja, ok – es ist Science Fiction, die vielen anderen Technologien werden auch nie wirklich erklärt und man nimmt es einfach hin. Trotzdem: Das ist mir zu krass! Jede Technologie muss Nachteile oder Einschränkungen haben. Beispielsweise kann der Warpantrieb kaputt gehen oder wie im 1. Film ein Wurmloch öffnen, wenn der übereifrige Captain sein eigenes Schiff nicht kennt. Bei Computern, Phasern, Schilden usw. ist es genauso. Diese Dinger geben besonders gern in den ungünstigsten Augenblicken den Geist auf, das dient der Dramatik. Bei Genesis steige ich aber nicht durch… das Teil krempelt mal eben einen ganzen Planeten um und das geht schneller, als ich “Carol Marcus” sagen kann? Wie funktioniert das bitte? Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit der Idee des Terraformings zu tun, es ist einfach abgefahrenes Zeug.

    Mir fehlt im Film eine tiefere Auseinandersetzung mit der Vorgeschichte aus “Der schlafende Tiger”. Die Idee, eine TOS-Folge aufzugreifen, finde ich an sich super und es ist ja auch eine gute Episode. An deren Ende fällt Kirk ein Urteil über Khan und seine Getreuen, die er anschließend auf Ceti Alpha V aussetzen lässt. Im Film wird leider kaum Bezug darauf genommen. Am Ende dieser Folge machte Kirk einen Logbucheintrag und sagte, dass der Planet unter ständiger Kontrolle der Sternenflotte stehen würde. Er wurde danach selbst zum Admiral befördert und bekam damit eine der höchsten Positionen in der Flotte. Letztendlich langweilte sich Kirk aber zu Tode und seine Midlife-Crisis begann. Khan hatte er zu diesem Zeitpunkt wohl schon vergessen. Wenn ich an Kirks Stelle wäre, würde ich mich in jedem Fall in irgendeiner Weise um diese Leute kümmern! Es muss ja niemand runterbeamen und mit Khan Händchen halten, sondern einfach nur alle paar Wochen oder Monate feststellen, wie es ihnen geht. Die Sternenflotte baut mal eben Genesis, aber mit der Bewachung einer kleinen Gruppe auf einem ansonsten unbewohnten Planeten ist sie überfordert? Khans Rachegelüste sind in meinen Augen auch auf Kirks Versagen zurückzuführen. Das hätte man in einer kurzen Szene deutlich machen können, in der ihm Pille ins Gewissen redet.

    Ich möchte einen weiteren Randaspekt erwähnen. Carol sagt in ihrem Erklärvideo zu Genesis, die Sternenflotte solle dieses Projekt bis zu seinem logischen Ende “finanzieren”. In nicht allzu ferner Zukunft (bzw. Vergangenheit) wird Kirk verkünden, dass es im 23. Jahrhundert kein Geld mehr gibt. Wie funktioniert eine Finanzierung ohne Geld?

    Felix Herzog (auch bekannt als Felo) machte mich in seinem Kommentar zu TaD auf einen weiteren Punkt aufmerksam:
    Kirk sagt am Ende, er habe sich dem Tod nie gestellt. Was war den bitte mit Edith Keeler? Hat er sich IHREM Tod nicht gestellt? Was war mit den vielen Besatzungsmitgliedern, die unter seinem Kommando starben? Was war mit Peter Preston? Ich denke, Kirk musste sich schon oft dem Tod stellen! Der Tod gehört zum Leben dazu, oder etwa nicht? Hat Kirk nie miterlebt, wie einer seiner Verwandten starb? Hatte er nie ein Haustier, das starb und der kleine Kirk weinte sich darum die Augen aus?

    Insgesamt ist “Der Zorn des Khan” für mich ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer 80iger-Jahre-Scifi-/Action-/Abenteuerfilm im Star Trek-Universum. Ich habe zwar meine Kritikpunkte, aber ihr habt viele Dinge angesprochen, denen ich zustimme. Man kann lange über ihn sprechen und das ist in meinen Augen ein Zeichen von Qualität. Anja, du sagst in deinem Fazit sinngemäß: “Die Fans sollen das bekommen, was sie wollen.”. JEIN! Wenn sie eine gut geschriebene Geschichte möchten, dann bin ich auf deiner Seite. Wenn es ihnen aber nur darum geht, ihre Lieblingscharaktere zu sehen, dann sollen sie auch mal die Kunst Kunst sein lassen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Trekkies verhalten sich wie kleine, quengelnde Kinder, denen Mutti oder Vati die Süßigkeiten verweigert! Sebastian von TaD sagte mal: “Kunst ist keine Demokratie!” und das sehe ich genauso. Kunst wird i.d.R. nicht von den Künstlern selbst konsumiert und rezipiert, sondern von anderen Menschen. Ob die potentiellen Konsumenten sich den Fim ansehen möchten, ist ihre Entscheidung. Was sie aus dem Film machen, nachdem sie ihn gesehen haben, liegt auch bei ihnen. Die kreative Arbeit sollten sie aber den Filmemachern überlassen. “Der Zorn des Khan” ist auch nicht der letzte Star Trek-Film dieser Machart. Über die anderen werdet ihr auch noch sprechen, aber der hier ist in mancher Hinsicht ein Meilenstein des Franchises. Cool finde ich, dass sich Nick Meyer als Vorbereitung zur Produktion alle 79 TOS-Folgen ansah und daraus eine Story auswählte, die er weiterentwickeln wollte. So ein Interesse für die Serie (TNG bzw. TOS) hätte ich mir bei den späteren Filmen auch gewünscht. Bei den Kinoauftritten von Picard & Co. ging der Bezug ja teilweise komplett verloren.

    Habt eine schöne Zeit,

    2Voq

    1. Hallo 2Voq,
      Wow, ein echt langer Kommentar. Ich würde sagen Anja und ich gehen anfangs in unserer Besprechung von Star Trek 4 darauf ein, denn die bereiten wir gerade vor. Das wird sonst echt lang in Textform, also Bitte um etwas Geduld, denn wir haben dazu auch noch etwas zu sagen, zu einigen Punkten, die du ansprichst.
      Insoweit erstmal vielen Dank, dass du dich so ausführlich mit der ganzen Thematik auseinandersetzt. Ich lese deine Beiträge immer wieder gern.

      LG
      Chris

      1. Hi Chris,

        mir ist aufgefallen, dass mein Kommentar in zwei Sätzen grammatikalisch falsch ist, man kann ihn hoffentlich trotzdem verstehen! 😉 Früher hatte ich mir nicht so viele Gedanken über Star Trek gemacht, aber seit ich Podcasts höre und es immer wieder anschaue, kommen mir ganz neue Ideen. Meine Sichtweise auf viele Dinge hat sich im Laufe der Jahre eben geändert. Mit Genesis hatte ich nach dem ersten Anschauen überhaupt kein Problem, aber jetzt schon. Es macht den Film ja nicht kaputt, ich nehme es wie viele andere Dinge hin, dennoch bringt es mich zum Nachdenken. Wahrscheinlich haben auch die Kelvin-Filme und DISCO einen Anteil daran. Da gefällt mir vieles nicht und im ersten Moment dachte ich: “Ja, das neue Zeug ist doof, aber FRÜHER, früher war doch alles besser!” Nein, war es nicht. Wenn ich mich über das Myzel-Netzwerk aufrege, dann muss das für Genesis, die Logiklöcher mit dem Beamen und andere Dinge auch gelten.

        LL&P

        2Voq

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