Folge 076 – TNG – Der unmögliche Captain Okona & Der stumme Vermittler

Diese Woche lernen wir, dass auch auf der Enterprise sich neue Türen öffnen, wenn andere sich schließen. Und Data lernt auch in Zeichensprache zu plappern!

Viel Spaß dabei!

7 Gedanken zu „Folge 076 – TNG – Der unmögliche Captain Okona & Der stumme Vermittler“

  1. Hallo Anja und Chris!

    Zum Thema DISCOVERY:
    1. Die Serie startet 10 Jahre vor Kirks Fünf-Jahres-Mission, bringt in den ersten beiden Staffeln am laufenden Band Elemente und Handlungsstränge, die nicht zu dieser Zeit passen, springt im Finale von Staffel 2 ca. 1.000 Jahre in die Zukunft und bleibt dort. Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Aufbau aus den Staffeln 1 und 2 einen Beitrag zu Staffel 3 leisten soll. Dazu müssten die Story Arcs aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Ich habe mir Staffel 1 angesehen, fand sie verwirrend und kenne Staffel 2 nur aus Podcasts/Reviews. Meiner Meinung nach ergibt auch dort vieles keinen Sinn.

    Wenn Staffel 3 auf Staffel 1 und 2 aufbauen soll, dann müsste es so laufen wie beispielsweise bei DS9. Dort wurden im Pilotfilm Handlungsstränge begonnen, über die Staffeln hinweg weitererzählt und am Ende der Serie abgeschlossen. So etwas kann ich bei DISCO nicht erkennen. Nehmen wir mal als Beispiel Michael Burnhams Meuterei und den Krieg gegen die Klingonen. Diese beiden Arcs beginnen in der Pilotfolge “The Vulcan Hello / Leuchtfeuer” und werden im Finale beendet. Burnham wird rehabilitiert, ausgezeichnet und bekommt ihren Rang als Commander zurück. Die Föderation schließt Frieden mit den Klingonen und L’Rell wird ihre Anführerin. In der 2. Staffel spielt der apokalyptische Krieg, in dem die Föderation fast vernichtet wurde, keine Rolle mehr. Stattdessen konzentriert man sich auf die Erforschung roten Signale. Die Herkunft der roten Signale wird dann im Laufe der Staffel auch geklärt, Leland stirbt und CONTROL wird besiegt. Wie möchte man diese Story Arcs wieder aufgreifen? Ich finde, wenn eine Story in einer fernen Zukunft angesiedelt wird, dann ist das die beste Voraussetzung dafür, dass KEINE Verbindung zur Gegenwart entsteht! Viele SciFi-Serien und -filme spielen in einer weit entfernten Zukunft und der Zuschauer bekommt nur wenige oder gar keine Infos über die Zeit, die dazwischen vergangen ist. Ich finde DISCO generell schwierig und finde keinen Bezug zu der Serie, wahrscheinlich bin ich deswegen auch sehr negativ eingestellt.

    2. Lücke zwischen DISCO und “The Menagerie”
    Das ist eines der Dinge, die keinen Sinn ergeben. In DISCOs 2. Staffel wird erklärt, dass Airiam vor Jahren bei einem Shuttleabsturz schwer verletzt wurde. Dank der fortgeschrittenen Medizin und Technik der Föderation/Sternenflotte konnte man ihr Leben retten und sie bekam einen hochentwickelten Cyborg-Körper. Dadurch ist sie in der Lage, Karriere zu machen und an Bord der Discovery als Brückenoffizier zu dienen. So weit so gut!

    Captain Pike hingegen wird mehr als 10 Jahre nach Airiams Unfall durch Delta-Strahlung schwer verletzt und entstellt. Er bekommt danach aber nur einen schnöden Rollstuhl und kann mit einer blinkenden Lampe Ja/Nein-Fragen beantworten. Warum verwandelt man den verletzten Pike nicht auch in ein “Wunderwerk der Technik”? Pikes Geschichte ist schon in “The Menagerie” unglaubwürdig. Die Raumschiffe düsen mit Warpgeschwindigkeit durchs All, man hat Kontakt zu vielen außerirdischen Spezies und verrückte Wissenschaftler erschaffen auf ihren Planeten sehr menschenähnliche Androiden. Wenn aber ein Captain der Sternenflotte bei einem seiner gefährlichen Einsätze schwer verletzt wird, dann steckt man ihn für den kläglichen Rest seines traurigen Lebens in so einen blöden Rollstuhl?!? Sein Gehirn, seine Psyche und seine Erinnerungen sind nach dem Unfall intakt. Deswegen kann er an der Gerichtsverhandlung teilnehmen und sich dafür entscheiden, seinen Lebensabend auf Talos IV zu verbringen. In der SciFi-Welt von TOS hätte es definitiv Möglichkeiten gegeben, um ihm besser zu versorgen als mit diesem Rollstuhl! So etwas wird jedoch noch nicht einmal erwogen.

    Ich kann den DISCO-Autoren keinen Vorwurf aus dem machen, was 1966 geschrieben wurde. Ich mache ihnen aber einen Vorwurf daraus, dass sie diese Geschichten aufgreifen und mit weiteren unlogischen Elementen füllen. Es passt einfach nicht zusammen!

    3. “…soll wieder mehr in die Roddenberry-Philosophie abdriften…”
    Chris, du sagtest es schon: DISCO wurde im November 2015 angekündigt und im September 2017 startete die 1. Staffel. Nach 2 kompletten Staffeln und fast VIER JAHREN wird nun verkündet, dass die kommende 3. Staffel mehr von der Philosophie Gene Roddenberrys beeinflusst sein wird.

    *Sarkasmus ein*

    Die machen doch nur Spaß, oder? DISCO ist diejenige Live-Action-Serie, die chronologisch gesehen TOS am nächsten kommt und da möchte man ernsthaft Roddenberrys Philosophie reinbringen? Wer kommt denn bitte auf so eine doofe Idee?

    *Sarkasmus aus*

    Ich mag TOS, die TOS-Filme und die ersten beiden TNG-Staffeln trotz ihrer Schwächen. Wenn man etwas über Gene Roddenberrys Philosophie erfahren möchte, dann sind sie das Mittel der Wahl! Mit den Filmen von “First Contact” bis “Nemesis” sowie mit VOYAGER und ENTERPRISE habe ich große Probleme. Dennoch konnte ich in den beiden letzten Serien noch Ansätze dessen erkennen, was ich an Star Trek mag und sicherlich auch zu Roddenberrys Ideen gehört. Seit 2009 hat mich Star Trek aber nahezu komplett verloren. Die Ideen und die Philosophie von Gene Roddenberry sind die Basis für Star Trek. Sie sind ein eigenes Thema, über das man lang und breit diskutieren kann.

    Wenn man aber mit DISCO eine Prequel-Serie zu TOS konzipiert, in der die Charaktere Sarek, Amanda, Spock und Pike wichtige Rollen einnehmen, WELCHE ANDERE Philosophie außer die von Gene Roddenberry soll dem Ganzen bitteschön zu Grunde liegen? Wieso muss man nach Jahren extra erwähnen, dass seine Philosophie jetzt mehr Raum bekommen wird? Für mich ist diese Aussage das Eingeständnis darüber, dass der Roddenberry-Philosophie bei DISCO bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

    Zum “PICARD”-Trailer:
    Ich denke, dass die Romulaner mit Borg-Technik experimentieren und dadurch eine Bedrohung entsteht. Die junge Frau, die Picard kontaktiert, scheint auch irgendwie mit den Borg in Verbindung zu stehen. Es kann sein, dass Data in der Szene mit Picard ein Hologramm ist. Das würde zu seinem Opfer passen. Ich bin auch sehr gespannt. Trotz der vielen Charaktere, Darsteller und sonstiger Bezüge zu TNG erwarte ich, dass sich die Serie deutlich von TNG unterscheiden wird. In welche Richtung das gehen wird, weiß ich natürlich noch nicht, aber hoffentlich wird sie euch und mir gefallen! 😃

    Zu “LOWER DECKS”:
    Genau wie ihr finde ich es cool, dass mit klassischen 2D-Animationen gearbeitet wird, obwohl seit “Toy Story” und den vielen anderen 3D-Animationsfilmen extrem viel in 3D gemacht wurde und wird. Vielleicht beginnt ja sogar gerade eine Gegenbewegung dazu. Bei Computerspielen sind auch Pixel-Grafik und Cel Shading sehr populär. Ich mag auch die Idee, ein komplett unbedeutendes Raumschiff mit einer “langweiligen” Crew darzustellen. Bei Star Trek war man bisher eben fast immer mit dem Flaggschiff unterwegs oder hat Sisko und seine Leute am Brennpunkt der Konflikte auf DS9 begleitet.

    Die Ausrichtung als Comedy-Serie ist interessant. Ich frage mich aber, ob das eine ganze Serie tragen wird. Außerdem bin ich mir unsicher, ob Star Trek sich selbst auf die Schippe nehmen kann, so dass es glaubwürdig wirkt. Bei “Futurama” und “Rick and Morty” besteht der Reiz darin, dass es Serien sind, die zu keinem der großen Franchises wie Star Trek, Star Wars, Marvel usw. gehören. Sie können sozusagen “von außen” auf diese SciFi-Universen blicken und dadurch eine unabhängige Perspektive einnehmen, mit der dann bestimmte Dinge parodiert oder satirisch dargestellt werden. Bei “Lower Decks” müssen die Autoren die Storys und Charaktere so schreiben, dass es nicht gezwungen wirkt, so nach dem Motto: ‘Lasst uns mal diesen oder jenen Aspekt von Star Trek parodieren!’.

    Wenn ich mir die guten Parodie-Filme wie “Spaceballs”, “Hot Shots”, “Austin Powers” u.a. ansehe, dann fällt mir auf: Alle diese Filme wurden von anderen Studios, Produzenten, Autoren und Schauspielern produziert als die Originale. Das ist auch gut so, weil es anders nicht funktioniert hätte. Ich möchte z.B. Sean Connery nicht als trotteligen Geheimagenten sehen. Ja, Sly Stallone und Äktschn-Arnie haben Mitte/Ende der 90iger, also am Ende ihrer Karrieren, ihre eigenen Filme aufs Korn genommen. So einen Film wie “Demolition Man” oder “True Lies” gucke ich mir auch gerne an. Trotzdem sind es nicht DIE Rollen, die ich mit diesen Schauspielern verbinde.

    Zu den beiden TNG-Folgen:
    Wenn ich mich nicht irre, wurde “The Outrageous Okona” 12 Tage vor “The Cage” ausgestrahlt. Ach ja, Deanna Troi… ich finds auch sehr schade, dass sie so verhunzt wurde. Pulaski sammelt bei mir auch keine Sympathiepunkte! 😃 Guinan ist die einzige Frau an Bord, die mir wirklich zusagt. Die Psychologin Troi ist unfähig und die Ärztin Pulaski ist eine Schreckschraube. Auf der Enterprise muss man echt aufpassen! Wer da mal eine psychologische Beratung oder medizinische Behandlung braucht, hat richtige Probleme! 😂

    Ich vermisse Beverly!!! 😭😭

    Ansonsten stimme ich eurer Bewertung der Folgen zu.

    MfG

    2Voq

    1. Hallo 2Voq,

      wir versuchen uns noch etwas zurückzuhalten mit Kommentaren zu DISCO, weil wir da ja noch nicht sind, aber du sprichst sehr passende Dinge an. Ich muss dir komplett zustimmen, auch wenn ich mich auf die Neuausrichtung in der 3. Staffel freue, weil die Serie dann vielleicht endlich mal die Chance hat, auf eigenen Beinen zu stehen, reicht es mit den ständigen Neuausrichtungen zu Staffelbeginn, die im Finale der vorherigen Staffel angeteasert werden. Wie viele Neuausrichtungen kann eine normale Serie vertragen, OHNE sich als Anthologieserie zu sehen (was Bryan Fuller ja von Anfang an wollte). In sich ist die Serie thematisch sehr anthologieartig, aber die weiterführende Entwicklung, wie du schon richtig anmerkst, leidet enorm darunter. So muss das nicht sein.
      Die Wiederanlehnung an Roddenberry als Eingeständnis, dass man es damit nicht sehr genau nahm…. ich habe bzgl. deines Kommentars hierzu innerlich applaudiert, traurig applaudiert, denn dieses immer-wieder-darauf-hinweisen muss eigentlich selbstverständlich sein. So wie ich von vorn herein keine Lust auf Filme habe, die damit werben, dass die Rolle der Frauen jetzt mehr und mehr Berücksichtigung findet. In meinem Weltbild sollte dies von sich aus klar sein, wenn eine Geschichte starke Frauenrollen bereit hält, dann ist das ganz normal. Das extra herauszustellen, klingt für mich immer so, als ob es nichts an dem Film interessantes zu sehen gibt, außer eben, dass man jetzt, im Jahr 2019, emanzipiert sein will und gerecht für alle.

      Es mutet im Falle Star Treks schon selbstkritisch an wenn man überspitzt sagt… “Es kommt eine neue Star Trek Serie ins TV und sie wird sich ganz stark mit der Roddenberry-Philisophie befassen”! Sollte das nicht klar sein? So wäre es doch sonst nur eine weitere Sci-Fi-Serie und nicht Star Trek. Ich weiß auch nicht, gerade im Falle DISCOs liegt das einfach schwer im Magen.

      Auf jeden Fall, danke für einen weiteren sehr ausführlichen Beitrag. Ich lese deine Gedanken immer wieder gern.
      LG
      Chris

  2. Hi Chris!

    Ich finde den Austausch mit euch auch sehr spannend. Bei verschiedenen Podcasts kommen immer wieder andere Aspekte und Meinungen zum Tragen, dadurch wird es erst richtig interessant.

    Nochmal kurz zur Roddenberry-Philosophie:
    Gene Roddenberry war der Schöpfer von Star Trek und begründete dieses ganze Universum. Viele seiner Drehbücher finde ich auch heute noch toll, z.B. “The Cage” und die Storys zu “Mudd’s Women”, “The Corbomite Maneuver” usw. Menschen aus verschiedenen Ethnien, Kulturkreisen und Ländern arbeiten zusammen und verbünden sich sogar mit Außerirdischen zur “United Federation of Planets”. Dieser Utopie-Gedanke ist im Jahr 2019 meiner Meinung nach noch genauso wichtig und stark wie 1966. Seinen Beitrag kann man einfach nicht hoch genug wertschätzen.

    Trotzdem war er durchaus wiedersprüchlich. Er schrieb z.B. das Buch zu “The Omega Glory” und diese US-Patriotismus-Folge hätte sogar der Pilotfilm zur Serie werden können. Das läuft dem, was ich im ersten Absatz geschrieben habe, vollkommen zuwider. Er schrieb die Drehbücher anderer Autoren total um, so wie z.B. bei der Katastrophe mit dem Titel “Justice”. War das alles auch Teil seiner Philosophie? Das “Dogma”, dass alle Konflikte von außen kommen müssen, geht auch auf ihn zurück. In einer modernen Serie kann man das aber nicht umsetzen und schon in den 90igern wurde damit gebrochen.

    Ich finde, man muss Gene Roddenberry und sein Werk kritisch beurteilen. Roddenberry hatte in seinem Leben viele Berufe: Er war Bomberpilot, Pilot von zivilen Flugzeugen, Polizist, Drehbuchautor und Produzent. Vor allem war er aber ein Mensch und als solcher ambivalent und fehlbar. Die Betrachtung verschiedener Facetten kann nicht schaden!

    Daneben bin ich nach etwas Überlegung der Meinung, dass auch andere namhafte Autoren von Star Trek Beachtung finden müssen. Sich nur auf Roddenberry zu konzentrieren ist zu kurz gegriffen. DS9 ist meine Lieblingsserie bei Star Trek, obwohl (oder vielleicht sogar gerade weil) sie ihren eigenen Stil hat, der z.T. nicht mit Roddenberrys Ideen übereinstimmt.

    MfG

    2Voq

    1. Hallo 2Voq,

      gerade deinem letzten Absatz kann ich nur voll und ganz zustimmen. So viele Leute haben nach Roddenberry und unter Berman einen so wertvollen Beitrag geleistet, ohne den Trek nicht das ist, was es geworden ist. Und auch mit Roddenberry ist Gutes passiert. Roddenberry als Urvater ist und bleibt einfach der große Vogel der Galaxis, der Visionär, der seiner Zeit weit voraus war. Es wurde aber auch Zeit, dass diese Grundidee, das Moralisch-Nachdenkliche, das Herauskristallisieren was Menschsein bedeutet, die philosophischen Ansätze und die ganze Erforschung der letzten Grenze, wie es Q propagiert und der Reisende weiter ausformuliert hat, von anderen Leuten weitergetragen werden, zu neuen Ufern.
      Deep Space Nine ist ein ganz außergewöhnliches Beispiel hierfür. Gerade weil hier, wie in keiner anderen Serie, das Fehlbare der Menschen integriert wurde, Konflikte möglich waren, gerade deshalb konnte dieser Diskurs mit der menschlichen Natur erst zur Vollkommenheit gebracht werden. Man kann nicht wachsen und keine Erkenntnisse gewinnen, wenn man nicht an Grenzen stößt. Durch Konflikte kann man seine Stärken und Schwächen erkennen und die Serie(n), genauso wie wir Menschen im echten Leben so richtig “trekkig” werden. Mit Friede Freude Eierkuchen kann man moralisch sein und bleiben, ist ja nicht wirklich schwer, aber was passiert, wenn man keinen Ausweg mehr sieht wie in der herausragenden Folge “In the pale moonlight”? Unter Roddenberry nicht denkbar, aber gerade deshalb so viel wertvoller.
      Ich hoffe für die Trek-Zukunft im TV und meinetwegen auch im Kino, dass man nicht krampfhaft versucht, den Roddenberry rauszukehren, sondern einfach verdammt gute Stories schreibt, mit vielschichtigen Charakteren, Hauptsache es gibt immer wieder welche, wie jetzt demnächst Picard, die die gesetzten Ideale hochhalten und immer positiv aufs Ende blicken. Damit wäre ich schon sehr zufrieden. Bemüht modern, bemüht düster und angeblich vielschichtig und “echt” wie in Discovery brauche ich nicht auf die Dauer. Ich bleibe aber optimistisch und Anja freut sich auch auf Neues. Sie hat in kurzer Zeit sehr schnell begriffen, was Star Trek ausmacht, durch TOS und den Anfang von TNG und die erste DS9-Season und das spricht doch sehr für die Qualität der Classics.

      LG
      Chris

      1. Hallo Chris,

        ich bin zu 100% deiner Meinung! Star Trek ist ein Kind seiner Zeit. Aspekte wie die Kulissen, die Effekte, das Schauspiel und anderes mehr wirken bei TOS und teilweise auch bei TNG heute antiquiert. Das Interessante ist aber, dass diese Dinge in den gut geschriebenen Folgen nebensächlich sind. Die Story kann Schwächen haben, aber die Charaktere entscheiden darüber, ob mir die Folge insgesamt gefällt oder nicht. Jede Geschichte, unabhängig vom Medium oder dem Genre, muss im Kern ein Charakterdrama sein! Auf die tollen Episoden, in denen genau die von dir angesprochenen Dinge verhandelt werden, trifft das zu.

        Beispiele: “The Devil in the Dark”, “The City on the Edge of Forever”, “The Cloud-Minders”, “Who Watches The Watchers?”, “The Drumhead”, “Tapestry”, “Duet”, die von dir erwähnte Folge “In the Pale Moonlight”, “Far Beyond the Stars”, “Living Witness”, “Course: Oblivion”, “Blink of an Eye”, “Cogenitor”. Diese und andere Episoden haben keine dramatische, actiongeladene Handlung mit viel CGI und Feinden, die einfach besiegt werden. Stattdessen sind es sorgfältig durchdachte Charaktergeschichten, die durch eine starke Story, die gute Inszenierung und glaubwürdige Figuren Spannung und Atmosphäre aufbauen. Für mich ist das sozusagen das “Rückgrat” von Star Trek. Meiner Meinung nach MUSS jede Star Trek-Serie solche Folgen haben!

        Christian Steiner vom Podcast “Second Unit” sagte in einer Diskussion über “The Dark Knight” sinngemäß:
        “In der Verhör-Szene mit Batman und dem Joker könnte man alle Kulissen, Requisiten, Kostüme und Masken entfernen, es würde trotzdem funktionieren. Das wäre kein Film, sondern ein Theaterstück mit Schauspielern auf einer Bühne, aber die Story und die Charaktere blieben gleich.”
        Genau diese Eigenschaft eines Kammerspiels sehe ich z.B. bei “The Drumhead”. Die ganze Episode läuft in ein paar unspektakulären Räumen ab und wird durch Dialoge vorangetrieben. Ich kralle mich jedesmal in die Armlehnen meines Stuhls, wenn Picard quasi “angeklagt” wird und sich verteidigen muss! Und erst seine großartigen Zitate! 😉 Allein durch diese Folge wird man ganz schnell zum Picard-Fan.

        Vielleicht liegt meine Wertschätzung für diese Erzählweise auch in den Filmen und Serien, mit denen ich sozusagen “sozialisiert” wurde. Alfred Hitchcocks “Bei Anruf Mord” und “Cocktail für eine Leiche” funktionieren nach demselben Prinzip. Gerichtsdramen wie “Die zwölf Geschworenen” und “Zeugin der Anklage” gehören für mich zu den besten Filmen aller Zeiten. Bei “Columbo” weiß der Zuschauer (meistens) von Anfang an, wer der Mörder ist. Das Spannende am Film ist die Art, wie Columbo ihn/sie mit geschickten Tricks überführt. Ich mag einfach langsam erzählte Geschichten, in denen ein Problem ausdiskutiert wird. Viele kammerspielartige Star Trek-Episoden wurden so geschrieben, weil das vorhandene Budget sehr niedrig war und man schlichtweg kein Geld für teure Effekte, Kulissen usw. hatte. Das muss aber kein Nachteil sein, da ein kreatives Team aus Autoren, Regisseuren und Darstellern das mit einer guten Story ausgleichen kann.

        Bei den Filmen in der Kelvin-Zeitlinie und DISCO muss ich leider feststellen, dass große Budgets für CGI, Kulissen usw. aufgewendet wurden, aber die Skripte/Drehbücher hinken dem hinterher. Das macht mich traurig und verkörpert nicht die Art von Star Trek, die ich kennen und schätzen gelernt habe.

        Es gab auch immer wieder gelungene Komödien: “The Trouble with Tribbles” und seine Fortsetzung “Trials and Tribble-ations”, “Little Green Man”, “Bride of Chaotica”, “Author, Author” und “Star Trek IV: The Voyage Home”. Genauso wichtig sind auch die vielen kleinen Szenen, die lustig sind. Mein Lieblingsbeispiel ist der “Captain Picard Day” in “Pegasus”. Diese Szene funktioniert, weil die Charaktere ausgearbeitet wurden und gut zusammenspielen. Nicht umsonst wird genau das in PICARD aufgegriffen. Ihr habt ja auch die Szenen mit Guinan und Data in “The Outragous Okana” besprochen. Wir kennen Guinan an diesem Zeitpunkt der Serie noch nicht gut, haben aber schon eine ganze Staffel mit Data verbracht. Diese “Paare” bei Star Trek finde ich immer wieder toll: Guinan – Data, Guinan – Picard, Quark – Odo, Quark – Jadzia, Kira – Dukat, Sisko – Dukat usw. Diesen Aspekt darf man nicht vernachlässigen!

        Ich habe schon wieder genug geschrieben und freue mich auf eure nächste Besprechung am Freitag.

        MfG

        2Voq

        1. Hallo 2Voq,

          hach, was soll man dazu noch sagen, du sprichst mir aus der Seele. Gerade was die Paarungen der Charaktere (nicht missverstehen 😉 ) angeht, werde ich wohl im weiteren Verlauf dies mehr im Hinterkopf behalten, weil es auch diese kleinen Szenen sind, die mir Star Trek so lieb und herzlich machen. Man bekommt einfach nicht genug davon, weil, wenn es gut gemacht ist, diese Momente einfach unübertrefflich sind und noch lange nachhallen. So wie das Gespräch zwischen Guinan und Picard in Best of Both Worlds Part 1. Da freue ich mich jetzt schon.

          LG und bis Freitag
          Chris

  3. Hi,

    ich glaube, diese ominöse Grizzly-Serie, die Anja meinte, war The Life and Times of Grizzly Adams (Der Mann in den Bergen) mit Dan Haggerty. Und jetzt wenn ich so darüber nachdenke, sieht der wirklich ein wenig aus wie Riva, hahaha… Das krieg ich jetzt nie wieder aus dem Kopf 😀

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