Folge 073 – Star Trek – Der Film

Die Produktion eines Podcasts ist ein schwieriges Unterfangen. Viele Gelder fließen, also wollen viele Menschen etwas für diese Gelder sehen. Eine Deadline droht zu brechen, weil das alles immer mehr und mehr auseinander zu brechen droht, nebenbei Ärger mit dem Produzenten und Eigner des Ganzen, der unbedingt seins haben will, viele enttäuschte und wutverzerrte Gesichter und überdies eine Produktionszeit, die jeglichen vernünftigen Rahmen sprengt.

Ach herrje, habe ich Podcast gesagt? Ich meinte Film – genauer “Star Trek: The Motion Picture”. Mit unserem Podcast ist alles gut, kein Ärger, niemand ist enttäuscht, Gelder wurden auch keine sinnlos verschleudert und jeder, wirklich jeder darf am Ende genießen.

Genießt ihr nun auch endlich unsere Besprechung des ersten Leinwand-Abenteuers unserer TOS-Crew und freut/lästert/schwelgt/wasauchimmer gern mit uns… Viel Spaß!

6 Gedanken zu „Folge 073 – Star Trek – Der Film“

  1. Hallo Tilly & Spock! 😉

    Bei euerer Diskussion ist mir eines wieder bewusst geworden: Der “erste Kontakt” mit Star Trek prägt die Art, wie man dieses Franchise wahrnimmt. Ich kannte als Kind nur TOS und war von den Charakteren, Geschichten und dem ganzen Setting total begeistert. Für mich war es eine Serie, die ganz hervorragend zu den anderen Serien der 60iger/70iger passte, mit denen ich aufwuchs. Da gab es z.B. “Bezaubernde Jeannie”, “The Munsters”, “Bonanza”, “Rauchende Colts”, “Die Straßen von San Francisco” und “Batman” mit Adam West. Ich bin zwar erheblich jünger als alle diese Serien, aber irgendwie lösen allein die Titel schon nostalgische Gefühle bei mir aus! 🙂

    Eines Tages erfuhr ich dann aus der Fernsehzeitung, dass es zu TOS auch Kinofilme gibt. Mein erster Star Trek-Film war einer der späteren, wahrscheinlich Teil 3 oder 4, danach kamen die restlichen Filme bis zum 6 mit Ausnahme des 1. Teils. Mir gefielen sie auch alle sehr gut. Ich fand sie spannend, unterhaltsam und es war eine Fortsetzung zu “Raumschiff Enterprise”, einer meiner Lieblingsserien. Den 1. habe ich aus unerfindlichen Gründen erst relativ spät gesehen und wahr überrascht, wie langsam und langatmig er ist. Tatsächlich brauchte ich 3 Anläufe, um ihn zu Ende zu sehen. Lange Zeit war er darum meiner Meinung nach einer der schwächsten Filme im Star Trek-Universum. Durch die neueren Filme ab dem 8. Teil und die Abrams-Filme veränderte sich diese Sichtweise jedoch. Ich möchte nicht zu weit vorgreifen, aber seit “First Contact” wird nur noch rumgeballert, die Lösung besteht jedesmal darin, den Feind einfach plattzumachen. Das ging mir in den späten TNG-Filmen auf den Keks und bei “Into Darkness” hatte ich dann die Schnauze voll. Ein Blick in die Historie von Star Trek lohnt sich immer, um die Anfänge dieses von uns so geliebten Universums zu ergründen! Durch wiederholtes Ansehen gewann ich eine neue Sichtweise auf “Star Trek: Der Film”. Vielleicht brauchte ich die actiongeladenen Spektakel der späteren Teile, um diese Ansicht zu entwickeln. Auch Simon und Sebastian haben mir dabei geholfen, im ersten Film mehr zu sehen als den langweiligen Versuch Star Trek ins Kino zu bringen.

    Ihr habt viel Negatives gesagt und im Prinzip stimme ich euch zu. Der Film hat große Schwächen, das bestreite ich gar nicht. Mich stören v.a. Kirk, der am Anfang als totaler Unsympath daherkommt, der extrem abweisende und desinteressierte Spock, der übertrieben brutale Transporterunfall, der zu lange Aufbau und die Tatsache, dass es kein Triumvirat gibt und viele Charaktere wenig zu tun haben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass am Anfang eine künstliche Ausgangssituation geschaffen wird, die mit den finalen Episoden von TOS oder TAS nicht erklärbar ist und nur dazu dient, eine Entwicklung innerhalb des Films darzustellen. Das wirkt sehr gezwungen, so als ob der Autor mit dem Vorschlaghammer draufgehauen hätte, um die Story zurechtzubiegen. Ich erkenne aber auch schon zu Beginn schöne Szenen, z.B. die Ansprache auf dem Recreation Deck, in der Trekkies als Statisten mitwirkten und natürlich Pille mit dem falschesten Bart der Filmgeschichte! Majel Barretts Auftritt gefällt mir auch gut, weil sie hier schon genauso aussieht wie in ihrer späteren Rolle als Lwaxana Troi bei TNG. Spocks Weinen um V’Ger finde ich nicht so schlimm wie ihr. Schon in TOS wird erklärt, dass er der Sohn eines Vulkaniers und einer menschlichen Frau ist. Spock hadert mit seiner Herkunft als “Mischling” und dem Widerstreit zwischen vulkanischer Logik und menschlichen Emotionen. Diese Dualität ist sein großes Thema. Ich finde ihn auch gerade dann am interessantesten, wenn er, der seine Emotionen normalerweise unterdrückt, doch mal Gefühle zeigt, wie z.B. in “This Side of Paradise / Falsche Paradise” oder “All Our Yesterdays / Portal in die Vergangenheit”. Sie hätten seine Wandlung einfach etwas weniger mit dem Holzhammer darstellen sollen. Trotz seiner vielen Fehler mag ich den Film und er gefällt mir heute besser als früher.

    Die Story dieses Films hat einen großen Vorteil, den ich so nur bei einem anderen Star Trek-Film wiederfinde: Ich kann zwischen dem Film und anderen Themen und Filmen innerhalb und außerhalb von Star Trek Verbindungen herstellen.

    Da ist zunächst mal das Voyager-Programm der NASA. Die Raumfahrt und die Erforschung des Weltraums faszinieren mich. Die Schallplatten und die darauf gespeicherte Botschaft enthalten in meinen Augen viele Ideen, die auch in Star Trek zum Ausdruck kommen: Die Menschen arbeiten zusammen, sie erkunden das All und versuchen mit fremden Zivilisationen Kontakt aufzunehmen. Star Trek ist sehr gut geeignet, um diese Ideen fortzuschreiben und ein Was-wäre-wenn-Szenario aufzubauen: Nehmen wir mal an, eine Voyager-Sonde wird wirklich von intelligenten Außerirdischen gefunden. Was werden sie mit der Sonde tun? Werden sie die Botschaft verstehen? Klar, im Film läuft es zu einfach ab. Trotzdem finde ich es toll, dass die Autoren sich dieses Themas angenommen haben. Außerdem wird der Name “Voyager” (-> “Reisender”, TNG lässt grüßen) hier zum ersten Mal genannt.

    Oft wird der Vergleich zu “2001 – Odyssee im Weltraum” gezogen. Ich setzte die Story eher mit einem anderen klassischen Science Fiction-Roman in Kontext, nämlich mit “Solaris” von Stanislaw Lem. Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Der Roman ist für jeden Freund des Genres ein Muss. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das schnellstmöglich ändern! 😉 Grob gesagt handelt er von einem riesigen, lebendigen Ozean, einer außerirdischen Intelligenz, die mit menschlichen Astronauten interagiert. Die Menschen können diese fremde Intelligenz nicht verstehen, sie entzieht sich ihrer Vorstellungskraft. Die Absichten des Ozeans bleiben rätselhaft, was mir sehr gut gefällt. Er ist jedenfalls kein “böses Alien”, das nur töten und zerstören will. Um mit den Astronauten in Kontakt zu treten, erzeugt der Ozean stattdessen die sogenannten “F-Gebilde” in Form von menschlichen Wesen als Repräsentanten. Eines dieser F-Gebilde ist das Abbild einer Person aus dem Leben des Protagonisten. An einer Stelle demonstriert es übermenschliche Kräfte, indem es eine Tür aus der Verankerung reißt. Die Ähnlichkeiten zu V’Ger und Ilia finde ich interessant. Ähnlich wie “Star Trek: Der Film” ist “Solaris” eine Geschichte, die sehr langsam erzählt wird. So wie im Film versuchen auch die Charaktere im Roman den Antagonisten zu verstehen. Dieser Aspekt gefällt mir am Film wirklich gut. V’Ger stellt eine Bedrohung dar, aber man möchte der Bedrohung begengnen, indem man sie erforscht und dadurch besser versteht. Kirk & Co. versuchen nicht, ihn kaputtzuschießen wie das in den spätern Filmen viel zu oft der Fall war.

    Das Thema der außer Kontrolle geratenen Technologie und den Folgen der Forschungsprojekte spricht mich auch an. Es ist ein klassischer SciFi-Plot, der schon in ähnlicher Form bei den Monsterfilmen “Godzilla” und “Formicula”, die beide 1954 produziert wurden, zu sehen war. Diese kritische Story ist für mich ein Rückgriff auf “The Ultimate Computer / Computer M5”. Es gibt auch schon viele Bezüge zum Borg-Kollektiv: Eine Maschinenintelligenz entführt einen Menschen (na gut, eine Deltanerin) verwandelt sie in eine willenlose, roboterähnliche Kreatur. Dabei benutzt diese Intelligenz sie als Sprachrohr. Diese Story finden wir in “Best of Both Worlds / In den Händen der Borg” wieder.

    Zu guter Letzt steht dieser Film für mich in einer “Tradition” von SciFi-Filmen, die sich beim Erzählen ihrer Story Zeit lassen und ohne viel Action und klassische Antagonisten auskommen. Dazu gehören z.B. die beiden Robert Wise-Filme “Der Tag, an dem die Erde stillstand” und “Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All” sowie “2001 – Odyssee im Weltraum”, “Unheimliche Begegnung der dritten Art”, “E.T. – Der Außerirdische”, “Blade Runner” und “Gattaca”.

    Ich zitiere Simon und Sebastian, weil ich mich in ihren Resümees gut wiederfinde.
    Simon: “Es gibt weite Strecken, die sich ziehen wie Kaugummi.”; “Der Film ist im Grunde eine aufgeblähte, sehr verkopfte Star Trek-Episode.” ; “Der Film ist spektakulär und scheitert auch spkektakulär.”
    Sebastian: “Dieser Film spricht mich auf einer Gefühlsebene an, die meine Ratio etwas aushebelt.” ; “Auch finde ich, dass V’Ger insofern ein interessanter Gegenspieler ist, dass er durchaus einen Charakter entwickelt, obwohl er ohne einen Schauspieler, der ihn spielt, irgendwie abstrakt im Hintergrund bleibt.” ; “In diesem Film geht es ja darum, wie die Technologie, die wir Menschen erschaffen haben, uns über den Kopf wächst und uns in den Hintern beißt.”
    Simon gibt den Daumen quer, bei Sebastian ist es ein Daumen nach oben. Insgesamt geben sie dem Film daher 75%, was ich für eine faire Bewertung halte. Ich bin vom Film auch nicht begeistert, aber es gibt viele Aspekte, die mir gut gefallen. Star Trek ist und bleibt eine Serie. Die Kinofilme sind für mich nur “Ausflüge” in ein anderes Medium, die aus wirtschaftlichen Gründen unternommen wurden. Monetär gesehen war der Film ein Erfolg und beflügelte das Franchise. Ohne das eingespielte Geld hätte es keine weiteren Filme, geschweigedenn neue Serien gegeben. Ich bin froh, dass 1979 genug Leute ins Kino gepilgert sind.

    Ich möchte euch eine ähnlich lange Diskussion zu “Star Trek: Der Film” empfehlen:
    https://secondunit-podcast.de/second-unit-247-star-trek-the-motion-picture/

    Die Autoren des Films haben übrigens eine aktuelle technische Entwicklung vorausgesehen. V’Ger ist nämlich ein riesiger Computer, der sich mit einer noch riesigeren Wolke umgibt. Wolke + Computer = Cloud-Computing im Jahr 1979! Wenn das nicht zukunftsweisend war… 😉

    Ich habe eine Ergänzung zu Mark Lenard. Wie ihr richtig sagt, spielte er in der 2. TOS-Staffel in “Journey to Babel / Reise nach Babel” Spocks Vater Sarek. Seinen ersten Auftritt hatte er aber schon in der 1. Staffel als namenloser romulanischer Commander in “Balance of Terror / Spock unter Verdacht”.

    MfG

    2Voq

    1. Hallo 2Voq,
      wow, das nenne ich mal ne ausführliche Antwort. Vielen Dank für deine wunderbaren Ausführungen.
      Ich stimme dir voll und ganz zu, wenn es um immer actionsreichere und “typische” Antagonisten geht, die die Agenda des Erdezerstörens und Rachenehmens verfolgen, als wirklich eine erzählerische Tiefe zu erlangen. Der Film kann als mutig bezeichnet werden, in dem er versucht mit überbordener Epik einen Gegenspieler zu zeigen, der weder eine aggressive Motivation hegt, noch emotional vorgeht und schon gar nicht tatsächlich in Erscheinung tritt. V’Ger bleibt undurchsichtig, unnahbar und fern, trotz des Avatars in Form von Ilia.

      Trotzdem, dass wir mit dem Film nicht sehr glücklich waren, finde ich es wahnsinnig spannend, welche Gedanken du zu diesem Streifen hattest und wieso er bei dir in der Gunst stieg. Die Besprechung von Simon und Sebastian höre ich demnächst auch, weil ich sehr daran interessiert bin, was andere dazu sagen. Vielleicht kann ich, bzw. können wir mit etwas Abstand den Film bald besser genießen als noch zu Zeiten dieser Besprechung. Es ist Star Trek, es ist klassisch, es ist ein totales Abbild der 1970er-Jahre und seine filmischen Vorbilder schimmern klar durch, Vorbilder, die ich zumeist alle sehr schätze.
      Und auch danke für den Link zu Second Unit – da werde ich auch mal reinhören!

      Danke dir für die Ergänzung zu Mark Lenard – ist mir ne Stunde nach der Aufnahme auch noch eingefallen, dass der Gute damit einen Vulkanier, einen Romulaner und einen Klingonen gespielt hat – das können nicht viele von sich sagen 😉

      Mach bitte weiter so 2Voq, und gib uns Input, der Dialog bei so einem Projekt ist es, der uns sehr interessiert, wie wir schon mal sagten, besonders, wenn es eine konträre und/oder ergänzende Meinung gibt. Manchmal lese ich solche Kommentare oder höre Podcasts anderer Reviewer und denke mir, verdammt, wie konnte mir das nur entgehen, oder wieso habe ich das nur so oberflächlich betrachtet, da steckt noch dieses oder jenes drin. Star Trek ist so reichhaltig, da kann man eh nicht alles auf einmal einsaugen.

      In diesem Sinne, vielen Dank für deinen sehr guten Input.
      Wir freuen uns mehr zu lesen/hören.

      LG
      Chris

      1. Hallo Chris!

        Eurer Podcast bereitet mir viel Freude, darum möchte ich euch etwas zurückgeben! 😉 Ich betrachte bei “Star Trek: Der Film” nicht nur den Film selbst, sondern seine Wirkung auf das Franchise und Ideen aus anderen Filmen, die denen von Star Trek ähneln. Er ist sehr prägend für die nächsten Jahrzehnte und hat einen festen Platz in meinem Trekkie-Herzen! 😀

        🖖 2Voq

        1. Hallo 2Voq,
          zunächst einmal Danke dir sehr für den Diskurs. Das macht Anja und mir gleich nochmal mehr Freude aufzunehmen.
          Und zu deiner Einschätzung zu dem Film nochmal – dazu kann ich nur mein Glas romulanisches Ale heben! Gut gesagt und bei aller berechtigten Kritik hast du vollkommen recht. Wenn man das alles hinzuzählt ist dies ein sehr schwer zu bewertender Film, da er über das rein Filmische hinaus so eine Bedeutung hat – nicht zuletzt auch durch den kommerziellen Erfolg, der dem Film seinerzeit, wie heute eine absolute Daseinsberechtigung gegeben hat.

          LG
          Chris

  2. Schnell, bevor ich weiter höre und es vergesse, ein kleine Ergänzung zu Vulkans Himmelskörpern:
    Es wurde später immer “erklärt”, dass der Widerspruch zwischen den Monden an Vulkans Himmel in diesem Film und Spocks Aussage aus der Serie, Vulkan hätte keinen Mond, dadurch gelöst werde, dass es sich bei den Himmelskörpern im Film nicht um Monde handelt, sondern um einen Zwillings-Planet (und wahrscheinlich dessen Trabant(en)).
    Ich weiß nicht, wie weit diese Erklärung noch in den A-Canon vorgedrungen ist, im B-Canon kommt sie ausführlicher vor: im Roman “Spocks Welt” von Diane Duane (sehr empfehlneswerter Roman u.a. über Vulkans Geschichte und den “Vexit”, Vulkans Austritt aus der Föderation), wird dieser Zwillingsplanet beschrieben.

    1. Hallo Felo,

      sehr interessant, was du über den Roman schreibst. Gelesen habe ich ihn noch nicht, aber er liegt in meiner “noch nicht gelesen”-Schublade. Habe davon selbst noch gar nix gehört, also von der Zwillingsplanet-Sache. Danke für den Tipp.

      LG
      Chris

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